Krankmachender Stress schon bei Grundschülern

Mediale Reizüberflutung stellt nach einer Befragung unter Lehrern den größten Stressfaktor für Kinder dar – auch schon in der Grundschule.

Konzentrationsschwäche, Verhaltensauffälligkeiten, Bewegungsdefizite – gesundheitliche Probleme bei Grundschülern haben in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Lehrerbefragung, die das Forsa-Institut für die DAK-Gesundheit durchgeführt hat.

Die Befragung wurde vom Forsa-Institut im Auftrag der DAK durchgeführt, und die Ergebnisse sind hier zusammengefasst nachzulesen

Tablets in der KiTa?

Pro und Kontra – eine Gegenüberstellung

Was im Artikel auffällt, ist die sehr optimistische, vielleicht sogar gutgläubige Einschätzung der Befürworter, basierend auf dem Prinzip Hoffnung

Wenn sich eine Einrichtung für Tablets entscheidet, wird dahinter ein bewusstes, medienpädagogisches Konzept stehen.

Und wenn nicht? Und selbst wenn, kann dieses eventuell vorhandene Konzept überhaupt umgesetzt werden? Angesichts des massiven Personalmangels in KiTas ist durchaus fraglich, ob die Zeit tatsächlich da ist, um einem kleinen Kind die Bedienung eines Tablets in Ruhe zu zeigen, und es dann bei der Nutzung zu beaufsichtigen. Zwei Aufsichtspersonen, einer davon vermutlich ein Praktikant, für 30 Kinder können das schlicht nicht leisten – individuelle Förderung ist in der durchschnittlichen KiTa sicher nur ein Wunschtraum.

Digitales Lernen – wie sicher ist es?

Unabhängig von der Frage, ob Digitales Lernen funktioniert oder nicht, sollte man sich in jedem Fall die Frage stellen, wie es mit der Datensicherheit aussieht – für die involvierten Schüler, aber auch Lehrer und die Schule selbst.

Lutz Hasse, Datenschutzbeauftragter in Thüringen und Vorsitzender des Bundesarbeitskreises Datenschutz und Bildung, gab der Onlineausgabe des SPIEGEL ein Interview:

[…]Vermutlich hackt sich niemand in eine Lernplattform, um einem Schüler hinterher zu spionieren. Aber angenommen, der Schüler wird eines Tages Chef eines großen Unternehmens oder Politiker und andere haben Zugriff auf sein ganzes Schülerprofil, inklusive Noten und Chats mit Freunden und Lehrern, dann wissen diese Leute sehr viel über ihn und können damit Schindluder treiben. Sie können Druck ausüben und ihn erpressen. Wir kennen das von anderen sozialen Netzwerken.[…]

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Unmerklich: Digitale Diskriminierung

Digitale Diskriminierung breitet sich aus einer Lücke heraus aus: Das Datenschutzrecht, das flächendeckend auf digitale Vorgänge angewendet wird, kennt kein allgemeines Diskriminierungsverbot. Das allgemeine Verbot der Diskriminierung, das sich im Gleichstellungsrecht findet, wird auf durch Algorithmen getroffene Entscheidungen dagegen kaum angewendet. Diese Lücke, also der Bereich der nicht sanktionierten Diskriminierung durch Algorithmen, kann nicht hingenommen werden.

Mehr dazu wie digitale Diskriminierung funktioniert und warum wir sie nicht merken auf Spiegel Online

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Zum internationalen Frauentag

Am 8. März begehen Frauen in aller Welt den Internationalen Frauentag. Seit mehr als 100 Jahren fordern Frauen an diesem Tag Gleichberechtigung und prangern die nach wie vor herrschende Gewalt gegen Frauen an.
[weiterlesen bei der Bundeszentrale für politische Bildung]

Der oben verlinkte Artikel ist vier Jahre alt, den Internationalen Frauentag gibt es seit nunmehr 105 Jahren. Seitdem hat sich vieles bewegt und verbessert, aber in einer idealen Welt wäre der Frauentag überflüssig – weil die Ziele erreicht wurden. Bis dahin fehlt leider noch viel.

Was passiert heute, am 8. März 2016, in den Medien zum Weltfrauentag? Nicht viel ermutigendes.
Ein Bericht auf Spiegel Online:

In den Aufsichtsräten an der Börse gehandelter Konzerne stellen Frauen mit einem Anteil von 22 Prozent immer noch weniger Personal als vorgesehen. Die seit Jahresbeginn geltende Quote von 30 Prozent wird längst noch nicht eingehalten, wie eine Studie der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung ergab.

Bei einer Google-Suche nach “Frauentag Medien” sind die ersten drei Treffer Berichte darüber, dass, zum ersten Mal heute, eine Kommissarin in einer bestimmten Krimiserie ermitteln wird.

Liebe Gesellschaft, da gibt es noch viel zu tun.

 

 

Digitales Wirtschaftswunder?

Eine im Auftrag von Microsoft erstellte Studie beklagt, dass Schüler von ihren Lehrern nicht ausreichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet werden.

„In der Lehrerausbildung muss mehr Gewicht auf den kreativen Umgang mit neuen Technologien gelegt werden“, fordert Renate Radon, Senior Director Public Sector und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland.

Und wieder geht es um den Einsatz der Technik – nicht um die Vermittlung der Fähigkeit, die gewonnenen Erkenntnisse einzuordnen, zu hinterfragen und zu bewerten.
Aber natürlich ist das vorrangige Interesse von Microsoft auch nicht, etwas zu hinterfragen – sie möchten ihre Technik und die Software verkaufen, und so ihr eigenes “digitales Wirtschaftwunder” vorantreiben.

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Und der Datenschutz?

Der BR-Blog sinniert über die Weiterentwicklung der mobilen Technik, das Smartphone das “so einmalig ist wie der Nutzer selbst”.

In diese Zukunftsvision wird nicht einmal die Frage nach dem Datenschutz gestellt, danach, was mit dem “einmaligen” Smartphone passiert, wenn es verloren geht, zur Reparatur aus der Hand gegeben oder in ein paar wenigen Jahren gegen das neuere Modell ausgetauscht wird, wo dann diese virtuelle Kopie der Interessenwelt des Nutzers landet? So sieht Technikeuphorie aus, aber kein bewusster und kritisch reflektierter Umgang mit Medien.

Wir lesen etwas und manchmal schreiben wir auch selbst etwas. Beispielsweise einen Kommentar oder eine Suchanfrage. So nutzen wir bisher Apps: lesen und schreiben, read and write. Übertragen auf den Journalismus bedeutet das: Journalistische Apps sind meistens wie Mobil-Versionen der konventionellen …

Quelle: Frag mich was! – BR24

Medienbildung dringend gesucht

Wir wissen nicht, wer hier die Medienbildung dringender benötigt – der Redakteur des “Südkurier”, der Gemeinderat, oder die Schulleitung der Grundschule in Fahrnau?  Uns erscheint sie auf jeden Fall vonnöten zu sein, nicht nur in der Grundschule.

Zitat aus diesem Artikel des Südkurier  vom 22. Januar 2016:

Früh übt sich der richtige Umgang mit Laptop, Smartphone, Computer, Facebook und Co.: Diesem Gedanken folgend wäre die Grundschule Fahrnau gerne bereit, im Landkreis eine Vorreiterrolle einzunehmen und sich für das Referenzschulmodell „Medienbildung in der Grundschule“ zu bewerben.

Smartphones und Facebook für Grundschüler?? Um sich bei Facebook registrieren zu dürfen, muss man mindestens 13 Jahre alt sein, und seit einiger Zeit wird sogar diskutiert, diese Altersgrenze auf 16 Jahre zu erhöhen. Das sollte einem Zeitungsredakteur, der einen solchen Artikel verfasst, bekannt sein – hatten wir naiverweise angenommen.

Um eine Vorreiterrolle in der Medienbildung einzunehmen, muss eine Schule jedenfalls nicht warten, bis sie “Referenzschule Medienbildung” wird – die Eltern einbeziehen, Experten einladen mit Tipps zu alltäglichen Fragen usw, das geht auch alles, ohne Referenzschule zu sein – darauf sollte nicht gewartet werden, weder in Fahrnau noch sonstwo.

 

Der SCHULEWIRTSCHAFT-Preis geht an….

Microsoft und das Kölner Erich Gutenberg Berufskolleg.

Die wirtschaftlichen Interessen von Microsoft werden im Artikel zur Preisvergabe deutlich:

Stefan Schick, Leiter Geschäftsbereich Forschung und Lehre Microsoft Deutschland GmbH. “Seit über 20 Jahren begleitet Microsoft das EGB auf seinem Weg, die digitale Transformation in der Bildung voranzubringen. Die konsequente Nutzung von IT in Unterricht und Verwaltung ist beispielhaft und macht das Erich-Gutenberg-Berufskolleg zu einer Leuchtturmschule”.

Was wir dann auch gleich als Paradebeispiel für den letzten Blogbeitrag “Vorsicht Stiftung!” nehmen können, ist doch die Bertelsmann Stiftung einer der Partner der SCHULEWIRTSCHAFT Organisation, die diesen Preis vergibt – siehe hier.