Archiv für den Monat: August 2013

„Spieletipps to go“

Die Seite Internet-ABC gibt es schon länger, und sie bewirbt Spiele für Kinder. Ob PC, Konsole oder Online, beworben werden sie alle, ein Verriss war auf der Seite nicht aufzufinden.

Für Kinder ab 6 Jahren werden zB Spiele empfohlen wie „Der Puppenspieler„, das es erst ab Mitte September im Handel gibt. Trotzdem ist es „Spiel des Monats“ für den August und bekam es bereits die bestmögliche Bewertung mit 5 Sternen? Offensichtlich kann man beim Internet-ABC also hellsehen.
Ob solche Bilder für Sechsjährige geeignet sind?

 

 

 

 

 

 

 

Oder die Beurteilung eines Rennspiels namens „Insane 2“  – Zitat:

Wenn du auf Rasereien in rauem Gelände stehst, bei denen du die Gegner rammen musst um zu gewinnen, bist du hier genau richtig.

Auch dieses Spiel bekommt man angezeigt, wenn man die Vorfilterung auf „ab 6 Jahre“ stellt. Dass die Redaktion ein zweites Feld mit eigener Alterseinschätzung hat, und dieses Spiel hier „ab 10“ empfohlen wird, erschließt sich nur, wenn man gezielt danach sucht.

Jetzt gibt es ganz neu, und pünktlich zur GamesCom, eine kostenlose App, mit der die Spielebewertungen auch auf die Schnelle vom Smartphone aus eingesehen werden kann. Somit muss man für seine Kaufempfehlungen gar nicht mehr zuhause recherchieren, abwägen und sich Gedanken machen, sondern kann sein Gewissen gleich vor Ort beim Griff ins Regal beruhigen.

Auch auf der GamesCom ist das Internet-ABC mit einem Stand vertreten. Zitat von der Webseite:

Kennen Sie „Dante“? Können Sie mit dem Begriff „bashen“ etwas anfangen? Nein? Dann empfehlen wir den Besuch der gamescom, der größten Spielemesse Europas.

Die Auflösung:

„Dante“ ist eine Figur aus dem Spiel DMC „Devil May Cry“ und „bashen“ steht für „Gegner besiegen oder vernichtend schlagen“.

Gehört das also zur Allgemeinbildung, die Eltern heute brauchen? Muss, wer das  nicht weiss, sich schnellstmöglich auf einer Messe informieren, um diese Bildungslücke zu schließen? Das erwähnte Spiel ist in Deutschland übrigens ab 16 freigegeben, in den USA ab 17 mit diesem Kennzeichen

und es ist immerhin nicht in den Spieletipps des Internet-ABC enthalten – weil der Filter maximal nur auf „ab 12 Jahre“ eingestellt werden kann. Die USK-Freigabe ab 16 kommt im Spielefilter also gar nicht mehr vor – sind die Macher des Internet-ABC etwa überzeugt, dass 16jährige keine elterliche Begleitung beim Spielekauf mehr brauchen? Oder haben sie die Hoffnung aufgegeben und unterscheiden erst gar nicht zwischen Freigaben ab 16 und 18?

Unser Fazit: Äußerst fragwürdig.

Product Placement bei ARD/ZDF

Eigentlich hätte das Morgenmagazin von heute mit dem Bericht zur GamesCom als „Dauerwerbesendung“ gekennzeichnet sein müssen – Screenbilder (mit martialischen Figuren und incl. Waffengefuchtel), Beurteilungen, Preise, Kaufempfehlungen, keine einzige kritische Stimme zu dem ganzen Zirkus? Von den öffentlich-rechtlichen Sendern haben wir mehr erwartet.

 

GamesCom 2013 in Köln

Die Spielemesse GamesCom 2013 findet seit gestern in Köln statt – 5 Tage lang treffen sich Hersteller, die ihre neue Hard- und Software vorstellen wollen, mit Händlern und Endkunden, die sich die Neuheiten ansehen möchten, die es teilweise erst später (pünktlich zum Weihnachtsgeschäft….) zu kaufen geben wird.

Der gestrige erste Tag war den Fachbesuchern vorenthalten, ab heute sind die Messehallen für alle Interessierten geöffnet, und die Presse berichtet treu und brav das, was Ihnen die Hersteller als Textbausteine fertig geliefert haben. Viel ist die Rede vom „Krieg der Konsolen“ zwischen Microsoft, Sony und Nintendo – bei dem der Verbraucher mit seiner Kaufentscheidung gleichzeitig „kriegsentscheidend“ wird. Alleine das Vokabular lässt einen gruseln.

Der Bereich der Onlinespiele wächst, Free-to-play / Freemium ist nach wie vor ein rasant wachsender Markt mit dem viel Umsatz gemacht wird, und hier müssen Eltern aufpassen:
Es gibt für Onlinespiele keine zuverlässige Altersbeurteilung! Kann bei Konsolen- oder Computerspielen mit einem kurzen Blick auf die Alterskennzeichen auf der Packung zumindest eine grobe Einordnung vorgenommen werden (zu der allerdings immer noch einige Jahre addiert werden sollten – die Grenzen werden von den Herstellern selbst vergeben und sind entsprechend mit Vorsicht zu betrachten), gibt es das für die Onlinespiele nicht.
Das heißt für Eltern, dass sie ein besonderes Augenmerk darauf haben sollten was ihre Kinder online spielen, möglichst dabei sind wenn ein neues Spiel begonnen wird, und im Gespräch mit ihren Kindern klären und auch er-klären, was das Kind spielen darf, und was nicht.

Kriminelle Karriere jetzt auch online möglich

Das Spiel Grand Theft Auto (GTA) ist seit Erscheinen umstritten.
Ziel des Spieles ist, eine Verbrecherkarriere zu starten und in der Hierarchie möglichst weit aufzusteigen, wofür Polizisten und Konkurrenten ermordet werden müssen, Banken überfallen, Mitstreiter verprügelt, bei den Autorennen regelmäßig Passanten gefährdet werden und fremdes Eigentum beschädigt oder zerstört.
Die Spielpersonen sind zumeist männlich, Frauen sind immer sexy und meist Trophäe,

Dieses Spiel gewinnt trotzdem „Spiel des Jahres“ Auszeichnungen, was zu der Annahme verleitet, es wäre eine nette Unterhaltung für den Nachwuchs, sonst bekäme es ja keine Preise, oder? Falsch.
Solche Auszeichnungen werden in mehreren Kategorien, unter anderem auch für das reine Spieldesign und die grafischen Effekte, verliehen und eine Auszeichnung für die Grafik heißt eben nur, dass die grafischen Effekte gut sind, nicht dass das Spiel an sich in irgendeiner Hinsicht empfehlenswert wäre!
3-D-Effekte bei Autorennen sind sicherlich nett anzusehen, aber 3-D-Effekte bei Prostitution, Drogenhandel, Totschlag sind eher nichts, was man in die Familie bringen möchte.

Jetzt wurde die Online-Variante vorgestellt, die einen Vorgeschmack auf die Vollversion des neuen Grand Theft Auto 5 geben soll. Zitat aus dem verlinkten Artikel:

Mit vielen liebevollen, kleinen Ideen hat Rockstar Games den fünften Teil der Serie aufgehübscht. Kleinigkeiten wie die Anpassung der Umwelt an den Geräuschpegel des Spielers sollen helfen, die Spieler möglichst lange bei Laune zu halten. Der Spieler überfällt zum Beispiel mit bis zu 16 Spielern eine Bank. Er kann regeln, wie laut er das Geld vom Bankangestellten fordert. Tut er das mit der Stimme eines Mäuschens, wird er nicht viel Erfolg haben.

„Liebevolle kleine Ideen“ sind es also, wie zB die Bankangestellten anzubrüllen wenn man sie überfällt???
Wir können nur kopfschüttelnd abraten.

SCHAU HIN!

Und hinterfrage die Beweggründe…..

Zitat von der Webseite des “30-Tage-Programm” SCHAU HIN!

Das 30-Tage-Programm ist ein kostenloses Programm der Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“. Hier erhalten Sie Tipps und Aufforderungen, wie Sie Ihr Kind im Umgang mit Medien begleiten können.

Klingt gut? Pädagogisch wertvoll? Oben rechts prangt der Bundesadler?

Wir haben genauer hingeschaut, auch in das Video, wo ein Fernsehkoch (wie Sie dessen Qualifikation beurteilen, überlassen wir Ihnen….) Eltern das Programm nahelegt. Worin nun besteht das “Programm” eigentlich?

Einen Monat lang werden alle zwei Tage Tipps per Mail an die teilnehmenden Eltern geschickt, wie diese gemeinsam mit ihren Kindern Medien entdecken können.

Da stellt sich die Frage – warum sollen Kinder Medien entdecken, auf die sie ohne dieses Programm vielleicht gar nicht, oder erst viel später, gekommen wären?

Der kleine Kasten oben rechts ist aufschlussreich: Schau Hin ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – und vodafone, TV Spielfilm, ARD und ZDF.
Und wer in’s Impressum schaut, findet dort eine “Kommunikationsagentur” die Werbung und PR Kampagnen für einen breitgefächterten Kundenkreis durchführt – unter anderem Fernsehsender und Microsoft.

Hinschauen lohnt sich also immer, nicht nur bei den Medien die von den Kindern konsumiert werden, sondern auch bei den angeblich wohlmeinenden Programmen, Lotsen, Unterstützungen usw. für die Eltern. Oft hilft ein kurzer Blick in das Impressum einer Webseite schon, um die Hintergründe dieser Webseite besser einschätzen zu können.

KIM / JIM / FIM … Wie bitte?

Lauter kryptische Abkürzungen – was haben die zu bedeuten?

KIM, JIM und FIM sind keine neuen Modenamen, sondern Studien, die jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (MPFS) durchgeführt werden und die das Medienverhalten von Kindern, Jugendlichen und Familien beleuchten.

KIM steht für “Kinder + Medien, Computer + Internet” – wobei mit “Kindern” die Altersgruppe 6-13 Jahre gemeint ist
JIM ist die Studie, in der das Medienverhalten Jugendlicher (zwischen 12 und 19) im Mittelpunkt steht, und
FIM steht für “Familie, Interaktion und Medien” und untersucht nicht nur die Ausstattung der Famile mit und die Nutzung von Medien im Tagesablauf, sondern auch allgemein die Kommunikation untereinander, wie viel Zeit mit Gesprächen zugebracht wird, ob es bestimmte “Gesprächsrituale” gibt, wie in der Familie Entscheidungen getroffen werden usw.
Die JIM und FIM Studien erscheinen in jährlichem Wechsel, KIM wird jährlich veröffentlicht.

Die aktuelle, im April 2013 veröffentlichte KIM Studie, enthält zum ersten Mal einen Sonderteil “miniKIM”, der das Medienverhalten von Vorschulkindern zwischen 2 und 5 Jahren beschreibt.
Bei den 6 bis 13jährigen ist facebook die beliebteste Webseite – obwohl die Nutzung laut der Bedingungen von facebook erst ab 13 überhaupt erlaubt sein sollte.
Das wirft die Frage auf, wie es um die Datensicherheit dieser Kinderprofile steht, offensichtlich hat facebook selbst kein Auge auf das Alter ihrer Nutzer. Haben die Eltern ein Auge darauf, was ihre Kinder von sich preisgeben?

Wer weiterlesen möchte: Hier geht es zur Webseite des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest

Die vollständigen Studien können Sie – selbstverständlich kostenlos – als pdf herunterladen. Dazu bitte auf das Bild der jeweiligen Studie klicken.

KIM-Studie 2012 mit “miniKIM”
JIM-Studie 2012
FIM-Studie 2011

Kostenlose Spiele sind gar nicht kostenlos….

…. zumindest nicht auf längere Sicht.

Die sog. “Freemium” oder “Free-to-play” Games – kostenlose Spiele-Apps für PC (Browsergames), Smartphone und Tablet – erscheinen auf den ersten Blick als tolles Angebot. Ein Spiel das nichts kostet und in Sekunden heruntergeladen und installiert ist? Klasse! So denken erst einmal viele.

Die ersten paar Level machen dann auch richtig Spaß, der Spieler hat Erfolgserlebnisse, neue Herausforderungen tun sich auf, man will weiterkommen. Aber dann: Plötzlich dauern Fortschritte sehr lange, der Spielfortschritt ist zäh, es geht nicht voran. Außer, tja, außer man kauft für teures Geld irgendwelche virtuelle Währung, mit denen sich der Verlauf beschleunigen lässt und der Spielspass wieder herstellen. Und schon ist man den gewieften Spieleherstellern auf den Leim gegangen.

Inzwischen wird mit solchen “kostenlosen” Spielen mehr Umsatz gemacht als mit Angeboten, die von vornherein Geld kosten. Die Spiele für mobile Geräte, hauptsächlich Smartphones aber auch Tablets, sind ein rasant wachsender Markt.
Der genauso rasant zur Abzocke wird wenn man nicht aufpasst.
Also: Passen Sie auf! Auch auf ihre Kinder!


Weiterführende Links:
Spiegel Online
T-Online
Zeit Online