Archiv für den Monat: Mai 2015

Schlusslicht Deutschland?

Es wird mal wieder der Teufel an die Wand gemalt: der Tagesspiegel befindet, dass Deutschland „bei den wichtigsten Kompetenzen für die Teilhabe an der modernen Welt“ „erheblichen Nachholbedarf“ hat.
Mit diesen „wichtigsten Kompetenzen“ ist nun nicht etwa eine gründliche Allgemeinbildung, Toleranz, Demokratieverständnis oder so etwas gemeint, sondern – die Fähigkeit, mit digitalen Medien umgehen zu können.
„Tablets und Smartphones sind Zugangsgeräte zu Wissen und Kultur“ behauptet die Autorin des Artikels, eine Bundestagsabgeordnete – was unserer Meinung nach auf ein interessantes Verständnis von Wissen und Kultur hindeutet, aber nichts mit Bildung zu tun hat.

Anlass zu ihrem Artikel im Tagesspiegel gibt die ICILS Studie (hier das pdf), eine internationale Vergleichsstudie, bei der die Fähigkeiten von Achtklässlern im Umgang mit digitalen Medien und den durch diese Medien gelieferten Informationen gemessen wurde. Am Computer gemessen, natürlich. Entgegen der pessimistischen Einschätzung im oben genannten Artikel, dass Deutschland das internationale Schlusslicht bilde, ist auf der Seite des Bildungsministeriums nachzulesen dass Deutschland im Mittelfeld liege. Ja was denn nun?

Wir möchten eine besonnenere Leseempfehlung aussprechen:
Gerald Lembke, Die Lüge der digitalen Bildung. Warum unsere Kinder das Lernen verlernen

Ja, Medienbildung muss sein. Aber bitte angepasst an die geistige und kognitive Entwicklung von Kindern, nicht mit dem Holzhammer durch technische Aufrüstung schon im Kindergarten.

 

Umfrage im Auftrag des Deutschen Bundestages

Diesen Aufruf möchten wir gerne weiterverbreiten und Sie zum Mitmachen auffordern:

Umfrage zum Thema:
„Neue elektronische Medien und Gefahrenpotenziale exzessiver Nutzung“

Ein Projekt für das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

das IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung führt im Auftrag des Deutschen Bundestages die Umfrage „Neue elektronische Medien und Gefahrenpotenziale exzessiver Nutzung“ durch. Die Befragung ist Bestandteil einer neuen Dialogplattform beim Bundestag: Stakeholder Panel TA (TA = Technikfolgenabschätzung).

Die Umfrage richtet sich sowohl an Akteure aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Medien, Umwelt und Zivilgesellschaft als auch an interessierte Bürger/-innen. Expertenwissen ist für die Beantwortung der Fragen nicht erforderlich. Die Beantwortung des Fragebogens dauert in der Regel maximal 15 Minuten.

Gern können Sie Kollegen und Bekannte auf diese Befragung hinweisen.

Themen der Befragung sind:

  • Einschätzungen im Bereich der Mediennutzung und suchtauslösender Gefährdungspotenziale,
  • Chancen und Risiken der Mediennutzung sowie
  • gesellschaftspolitische Handlungsfelder.

Diese Umfrage dient allein wissenschaftlichen Zwecken. Ihre Angaben werden auf freiwilliger Basis nur für das Stakeholder Panel TA erhoben. Wir achten auf den Schutz Ihrer Privatsphäre und auf Datensicherheit. Bei der Auswertung ist es uns wichtig, dass Rückschlüsse auf die Identität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Befragung nicht möglich sind.
Weitere Informationen rund um das Stakeholder Panel TA finden Sie unter www.stakeholderpanel.de.

Über den Mythos der „Digital Natives“

Gerald Lembke ist Studiengangsleiter für Medienmanagement und Kommunikation in Mannheim, außerdem der Präsident des Bundesverbandes Medien und Marketing e.V. – jemand der weiß, worüber er schreibt, wenn er auf seinem Blog den Mythos der sog. „Digital Natives“ analysiert.

Die “Digital Natives” scheinen die Könige auf dem Arbeitsmarkt zu sein. Sie werden nachgefragt und bestimmen Verhandlungen in Unternehmen. Sie können zwar mobile Computer für Chats und Mails sicher bedienen, doch für Beruf und Leben erfolgversprechende Fähigkeiten sind – vergleichbar mit anderen Generationen – immer weniger ausgeprägt: Soziales Verhalten, Handlungskompetenz, strukturiertes und logisches Denken nehmen ab. Status, Macht und Geld verlieren ihre handlungsmotivierende Bedeutung (siehe hier). Unternehmen stehen vor einem Mythos. Ein Aufhellungsversuch.

weiterlesen