Was hat Medienbildung mit Verkehrserziehung zu tun?
Bei der Verkehrserziehung gibt es eine vergleichbare Nervosität wie in der Medienpädagogik nicht. Man orientiert sich am wissenschaftlichen Kenntnisstand zur Entwicklung der Kinder: Es hat keinen Sinn, einem Dreijährigen das alleinige Überqueren der Straße beibringen zu wollen, weil das Kind erst das Abschätzen von Geschwindigkeit lernen muss. Also vermittelt man das wahrnehmungsgerecht etwa mit dem Schuleintritt. Auch den Führerschein macht es erst im reiferen Alter und niemand hätte Angst, dass die Kleine es nicht erlernen würde, wenn sie nicht schon mit vier am Steuer sitzt.
Der von Menschen gemachte Straßenverkehr ist gefährlich und wir müssen unseren Kindern beibringen, sich darin zurecht zu finden, ihn zu überleben und selber zu verantwortlichen Verkehrsteilnehmern zu werden. Dabei wird eine schrittweise Pädagogik angewandt, die dem Kind, je nach Entwicklungsstand, Erfahrungshorizont und physischen wie psychischen Fähigkeiten den jeweils nächsten Schritt in der Entwicklung zum mündigen Verkehrsteilnehmer zutraut. Es verwundert, dass diese universelle Herangehensweise der angepassten Aneignung bei elektronischen Medien nicht gelten soll. Während man logischerweise zum Konsum von Büchern erst bestimmte Fähigkeiten wie die Kulturtechnik Lesen sowie Leseverstehen erwerben muss, scheint die gleiche Logik bei den sog. Neuen Medien außer Kraft gesetzt. Nicht, weil es hier so viel anders wäre, sondern weil es hier Interessen gibt, damit wir das in diesem Bereich anders sehen.
Dazu werden sogar eigene Begriffe kreiert, wie etwa der des „Digital Native“. Diese Benennung – in der Werbesprache als „Spin“ bezeichnet – legt nahe, dass das Kind, der angeblich „Digitale Eingeborene“, sich im Bereich der sog. Neuen Medien besser auskenne als Erwachsene. Was die Scheu vor derlei Technik anbelangt, mag das stimmen. Aber die Vorstellung, es brauche demnach auf die Hinweise von Bezugspersonen wie Eltern und Lehrkräfte nichts zu geben, da diese sich ja weniger auskennen, da sie schließlich nur „Digital Immigrants“ seien, hilft Kindern nicht. Es macht sie lediglich frei für die Einflüsterungen der Industrie, die ihre Produkte an zahlungskräftige Kunden verkaufen möchten – Kindern in Deutschland stehen im Jahr ca. 2,5 Mrd. Euro Taschengeld zur Verfügung und sie sind wiederum die Kunden von morgen.3 Es geht um viel Geld und leider weder um unsere Kinder, noch um deren Bildung, noch um die Zukunft unserer Gesellschaft.men. Aber die Vorstellung, es brauche demnach auf die Hinweise von Bezugspersonen wie Eltern und Lehrkräfte nichts zu geben, da diese sich ja weniger auskennen, da sie schließlich nur „Digital Immigrants“ seien, hilft Kindern nicht. Es macht sie lediglich frei für die Einflüsterungen der Industrie, die ihre Produkte an zahlungskräftige Kunden verkaufen möchten – Kindern in Deutschland stehen im Jahr ca. 2,5 Mrd. Euro Taschengeld zur Verfügung und sie sind wiederum die Kunden von morgen. Es geht um viel Geld und leider weder um unsere Kinder, noch um deren Bildung, noch um die Zukunft unserer Gesellschaft.

(aus: Kapitel 1 von Sabine Schiffer „Medien und Bildung“)