Archiv für den Monat: April 2014

Interview mit Sabine Schiffer in der taz

In der taz erschien ein Interview mit Dr. Sabine Schiffer – die Rolle der Gewalt in Computerspielen, die Auswirkungen auf Politik, Medien und Alltag, Einflüsse der Spieleindustrie, Medienbildung in Schule und Elternhaus, und vieles andere mehr. Lesenswert!

Gesichtserkennung, Iris-Scans, biometrischer Datenabgleich – Haben Sie auch Ihre Kinder so im Blick?

Den Ist-Zustand in den USA beschreibt dieser Artikel der Zeit – es werden recht wahllos Daten gesammelt, Bilder aus nicht näher genannten Quellen in diese Datenbanken integriert, und auf die Art kann jede(r) in das Fahndungsraster geraten ohne darüber überhaupt informiert zu werden.
Zitat:

In der Kritik steht ein Programm namens Next Generation Identification, kurz NGI. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung des Integrated Automated Fingerprint Identification Systems (Iafis), das schon jetzt mehr als 100 Millionen Fingerabdrücke umfasst. Das NGI soll diese Datenbank ausbauen, und zwar mit weiteren biometrischen Daten: Es geht um Handflächen- und Iris-Scans, sowie eben um die Möglichkeit einer umfassenden Gesichtserkennung.

Alle Daten fließen in einer zentralen Datenbank zusammen, die von insgesamt 18.000 Strafverfolgungsbehörden auf lokaler, bundesstaatlicher und auf Bundesebene in den USA genutzt wird. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, könnte die Datenbank bis zum Jahr 2015 rund 52 Millionen Fotos zur Gesichtserkennung enthalten; 55.000 Bilder können pro Tag neu eingestellt werden, heißt es in der Pressemitteilung der EFF.

Langfristig wird diese Vorgehensweise dazu führen, dass jede(r) Einzelne von uns als mögliche(r) Kriminelle(r) angesehen und, bis zum Nachweis der Unschuld, als solche(r) behandelt wird. Das ist die Umkehr des rechtsstaatlichen Grundprinzips der Unschuldsvermutung.

Durch die Gesichterkennungssoftware können Internetseiten nach Fotos durchsucht und diese in die Datenbank einsortiert werden. Ohne dass der/die Betroffene davon überhaupt erfährt.
Und wann haben Sie das letzte Foto von sich und/oder Ihren Kindern bei Facebook, Instagram, Twitter oder einer anderen Plattform gepostet?

Wer digital unterwegs ist, lernt nicht

Das ist die Kernaussage des Artikels Schwieriges Lernen vor dem Bildschirm der Neuen Zürcher Zeitung vom 9. April diesen Jahres.

Die Nutzung digitaler Medien lenkt ab, stresst das Gehirn, verhindert auf die Art ein „Einsinken“ des Lernstoffes, und frustriert Kinder, die von den digitalen Medien eine sofortige Belohnung gewöhnt sind. Das Erfolgserlebnis beim Lernen von z.B. Vokabeln erfolgt zeitlich unter Umständen erst Tage später, anders als die Belohnung für eine Handlung bei einem Computerspiel – die kommt sofort. Wer die sofortige Belohnung gewöhnt ist, kann mit dem (erst Mal) ausbleibenden Erfolgserlebnis beim Vokabellernen nur schlecht umgehen.

Wer die Selbstregulation und Selbstdisziplin nicht aufbringt, um sich von der digitalen Ablenkung loszureißen und auf den Schulstoff zu konzentrieren, wird in der Schule ein Problem bekommen. Das stresst, und Stress wird von Jugendlichen gerne beim Computerspielen abgebaut, was wiederum vom Schulstoff abhält, usw.

Die Kinder müssen lernen, mit digitalen Medien und ihren Möglichkeiten umzugehen – auch mit der Ablenkung durch sie. Hier sind die Erwachsenen gefragt, als Gesprächspartner und, vor allem: Vorbilder.
Wer selbst alle paar  Minuten „nebenbei“ das Smartphone auf neue Nachrichten überprüft, sollte sich nicht wundern wenn der Nachwuchs die Ermahnungen, sich doch endlich auf die Vokabeln zu konzentrieren, nicht sonderlich ernst nimmt…..

Schnelle Oberflächen, träge Bildung

Ein sehr kluger Artikel von Roland Reichenbach aus der Neuen Züricher Zeitung zum Thema Neue Medien in der Schule:

Zitat:

Lernt ein Kind sprechen, später noch lesen und schreiben, ist es aufgenommen in der Kultur der Sprachsymbole, für die es lebenslänglich einstehen wird und mit welcher es sein Welt- und Selbstverständnis immer weiter differenzieren und dasselbe ausdrücken lernt. Die Arbeit am Ausdruck ist Bildung. Ihre Voraussetzung ist die Eindrucksfähigkeit, und um diese zu stärken bzw. nicht verwelken zu lassen, sind Lehrmittel in fast allen Bereichen des Wissens und Könnens unabdingbar. Doch die Eindrucksfähigkeit und Bildsamkeit des Kindes muss heute auch geschützt werden. Die Tugend des Sehens, der konzentrierten Schau, lernte man wahrscheinlich eher noch beim mühsamen Abzeichnen eines ausgestopften Vogels als mit Hilfe der hektischen und zahlreichen Bilder digitaler Medien, die ja auch die kindliche Lebenswelt mittlerweile dominieren.

Weiterlesen bei der NZZ

Durchsichtiger gehts kaum – Heranführen der Kleinsten, aber wozu?

Die IT-Branche nutzt jede Gelegenheit, um die Nutzer von morgen immer früher zu gewinnen. Das steigert den Konsum, nicht die viel beschworene Medienkompetenz.

Aber das macht nicht, weil man es einfach behaupten kann – solange die behaupteten Effekte nicht überprüft werden. Und wenn denn doch mal eine Evaluation stattfinden sollte, hat man die Kinder ja schonmal gewonnen: frühzeitig heranführen – klingt ja so gut.

Wohl den Kindern, deren Eltern sich von solcher PR-Sprache nicht irritieren lassen und genau überlegen, wann sie mit was beginnen wollen – denn ab dann muss es kontinuierlich begleitet werden für sehr sehr lange Zeit…

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