Archiv für den Monat: Juli 2016

Entmündigung als Bildungsziel?

Die FAZ befasst sich kritisch mit dem „digitalen Studenten“ und den Folgen von immer mehr Online-Lernangeboten, für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft.
Alle Zitate aus dem Artikel „Entmündigung als Bildungsziel“ – Link

Lerndaten sind Auskunftsdateien der Persönlichkeit. Sie sagen viel über Auffassungsgabe und Konzentrationsfähigkeit, über Schwächen, Erinnerungsvermögen, Motivation.
[…]
Nach amerikanischem Recht, sagte die schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Marit Hansen, lassen sich die Daten für alle möglichen Zwecke verwenden.

Die Anbieter von Onlinekursen, die z.T. ganz offiziell mit Universitäten kooperieren, sitzen häufig im Ausland, mit deutlich lascheren Datenschutzbestimmungen im Vergleich zur EU. Auskunftspflicht gibt es nicht, die Daten können weitergegeben werden ohne den Studenten (oder Tutor) zu informieren, unter anderem auch an Google und facebook.

Ist das die ersehnte Digitalisierung der Bildung? Risiken ausblenden und sich von profitorientierten Firmen aus der Branche beraten lassen, ohne deren Eigeninteresse kritisch zu hinterfragen?

Der Bildungsausschuss des Bundestags legte vor kurzem den Bericht „Digitale Medien in der Bildung“ vor, der sich über Risiken der Lerntechnologien ausschweigt und als wichtigste Referenz die IT-Branchenlobby Bitkom führt.

Je früher in der Kindheit Mediengebrauch gefördert wird

um so mehr medienabhängige Kinder, Jugendliche und Erwachsene erwarten wir in der Zukunft.

…. sagt Uwe Büsching, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Vorstandsmitglied beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., im Interview mit der jungen Welt.

Das Interview vollständig zum Nachlesen hier.

Gehören Bildung und IT zusammen?

Auf dem digitalen Trip“ sieht die junge Welt einige Schwierigkeiten auf uns zukommen:

Untersuchungen haben gezeigt, dass eine starke Mediennutzung mit Sprachentwicklungs- und Lernleistungsstörungen einhergeht, dass ein früher Gebrauch später zu Schulproblemen führen kann oder dass Laptops im Klassenzimmer ein großes Ablenkungspotential bergen. Dazu kommt die Suchtproblematik: Laut neuestem Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), gelten bundesweit 560.000 Menschen als computersüchtig, davon 250.000 bei den 14- bis 24jährigen.

Das geht nicht zusammen mit der gewollten Digitalisierung des Schulalltages. Studien, die vor frühem Gebrauch (digitaler) Medien warnen, gibt es zuhauf – werden aber zuhauf ignoriert, abgetan und nicht ernst genommen.

Ob vielleicht doch ein Zusammenhang besteht zwischen früher Mediennutzung und der aktuell beklagten fehlenden Studierfähigkeit junger Abiturienten?

Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (Ausbildungsreife & Studierfähigkeit; 2016) hat vor kurzer Zeit auf diese Fehlentwicklungen hingewiesen. Die Autoren der Studie beklagen, dass trotz gestiegener guter Schulabschlüsse junge Menschen mit fehlenden Grundlagenkompetenzen hinsichtlich Sprache und Mathematik zu kämpfen haben. Dies betreffe Ausdruck, Rechtschreibung, Textverständnis und Grundlagen der Mathematik. Zitiert werden Beobachtungen vieler Professoren (WS 2011/12 Philosophischer Fakultätentag): eine wachsende Gruppe von Studierenden wäre den Anforderungen des Studienganges nicht gewachsen; große Schwächen bestünden in Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und sprachlicher Ausdrucksfähigkeit.

Diesen möglichen Zusammenhang zu untersuchen wäre vielleicht noch eine weitere Studie wert.