Archiv für den Monat: Juli 2013

Japan als Vorreiter?

Japan, ein Land mit einer durchtechnisierten Gesellschaft, in der das mobile Internet schon deutlich länger als hier zum Alltag gehört, wird oft als Vorreiter bezeichnet wenn es um die Integration von Medien in den Alltag geht.

Aber – es ist nicht nur positiv. Internetsucht ist häufiger als hier, junge Menschen verlassen über Monate das Haus nicht mehr, Mobbing – über soziale Netzwerke – und Gewalt steigen an den Schulen rasant an, die Selbstmordrate bei Schülern und Studenten ist erschreckend hoch.

Nonoichi ist eine kleinere Stadt in Japan, gerade mal 52.000 Einwohner, und dort gibt es seit 2001 eine Initiative für die Einschränkung der Handynutzung von Kindern. Ziel war, dass Grund- und Mittelschüler (also Kinder bis 14 Jahre) kein Handy zur Verfügung haben sollen. Eltern werden geschult im Umgang mit Filterfunktionen (die von den japanischen Handybetreibern angeboten werden) und werden angeleitet, Vereinbarungen mit ihren Kindern zu treffen was die Nutzung von Smartphones betrifft.

2012 wurden die Lehrer der städtischen Schulen befragt über die Folgen des Projektes, und es stellte sich heraus dass mit sinkender Handynutzung das Verhalten der Schüler untereinander  besser wurde, Gewalttaten abnahmen, die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus sich verbesserte und weniger Mobbing stattfand.

Vielleicht ist ja auch diese Entwicklung ein Vorbild für uns? Auch wenn die gesellschaftliche Struktur in Japan anders ist als hier und ein ähnliches Projekt hier vermutlich einen schwereren Stand hätte, sind die positiven Entwicklungen nicht von der Hand zu weisen.

Den vollständigen Artikel können Sie auf der Webseite der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen als pdf herunterladen.

Kann ihr Kind nicht aufhören?

Wenn ihr Kind

  • sich vor dem Computer abkapselt
  • mit Leuten chattet die es noch nie gesehen hat, und darüber seine realen Freunde vernachlässigt
  • regelmäßig stundenlang spielt
  • aus der Spielewelt nur noch sporadisch auftaucht
  • agressiv wird, wenn Sie bitten, doch jetzt den Computer auszumachen
  • mit seinem Smartphone verwachsen zu sein scheint
  • alltägliche Pflichten vernachlässigt

….
dann sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten.

Die Zahl der Internet- und/oder Spielsüchtigen Kinder und Jugendlichen wächst, und mit den mobilen Endgeräten wird es immer einfacher, immer und überall online zu sein.

Ein Informations- und Selbsthilfeportal zur Onlinesucht bzw. Rollenspielsucht von Eltern für Eltern ist diese Seite, auf der Sie viele Informationen und Hilfsangebote gebündelt vorfinden.

Wir wünschen Ihnen, dass Ihre Familie nie betroffen ist.

Sie können nicht so recht nachvollziehen, was ihr Kind an Computerspielen so fasziniert?

Dann müssen Sie unbedingt geschult werden um dieses Verständnis zu entwickeln! (Achtung, Ironie….)

Es gibt tatsächlich eine “Computerspieleschule”, die verständnislosen Eltern beibringen soll, was an Computerspielen so faszinierend ist. Zitat von der Seite der Computerspieleschule Leipzig:

“Bei uns können Eltern die Welt der Spiele und der Spieler erleben und sich selbst fit machen, um die Faszination der Spiele verstehen zu können. Denn gerade Eltern sind gefragt, wenn es darum geht, Regeln zu vereinbaren und die Weichen für den Medienkonsum der Kinder zu stellen. Mit fundiertem Wissen über die Inhalte verschiedener Computerspiele sind Eltern in der Lage, sich mit ihrem Kind darüber auszutauschen (…..)”

Auch für Pädagogen und Multiplikatoren gibt es Angebote – zB. wird Unterstützung angeboten, die vorhandenen Computer spieletauglich zu machen.
Die Kinder selbst sind ebenfalls aufgerufen, dort hin zu gehen um zu spielen (Eintritt frei für diejenigen, die Eltern oder Großeltern mitbringen), und es können dort auch Kindergeburtstage gefeiert werden. Wenn man sich die beiden Bilder auf der Seite anschaut – stellen Sie sich so eine gelungene Geburtstagsfeier von 9 oder 10jährigen vor? Alle sitzen drinnen, jeder vor seinem eigenen Monitor?

Diese Computerspieleschule wird von der Leipziger Universität betrieben und bekommt somit einen quasi wissenschaftlich-seriösen Anstrich, dabei ist es hauptsächlich eine Werbemaßnahme der Spieleindustrie, ein Blick auf die lange Liste der Förderer dieses Projekts ist aufschlußreich. Nintendo, Electronic Arts, tivola, dtp entertainment….. alle Branchengrößen sind vertreten.

Es ist äusserst bedauerlich, dass so unverhohlene Werbung öffentlich gefördert wird (die Stadt Leipzig ist ebenfalls auf der Fördererliste) und seitens der Betreiber eine Seriosität vorgetäuscht wird, die auf den zweiten Blick absolut anzuzweifeln ist.

Auch bei diesem Angebot gilt also dasselbe wie bei allen anderen auch:
Passen Sie auf, sehen Sie genau hin, recherchieren Sie Namen aus dem Impressum, hinterfragen Sie Motive und Motivation! Nicht immer ist es so offensichtlich wie in diesem Fall.

Sieht Ihnen jemand zu, während Sie dies lesen?

Wenn noch nicht jetzt, dann vermutlich in Zukunft.

Alle Welt redet über die Überwachung des Internets und der weltweiten Kommunikation durch amerikanische Geheimdienste, und Meldungen wie diese gehen in der Empörung über “die Amis” elegant unter. Man könnte fast meinen, das wäre Absicht…..
Wobei die Argumente, warum der BND viel Geld braucht um ebenfalls die Kommunikation zu überwachen, irgendwie an die Argumentation von Kindern erinnern warum sie ein bestimmtes Spielzeug/Schuhe einer speziellen Marke/ein neues Handy unbedingt haben müssen: “Aber ALLE haben das, nur ich nicht!”

Wenn also die amerikanischen Geheimdienste die Privatsphäre und jeglichen Datenschutz missachten, muss der BND nachziehen können? Wird eine solche Entwicklung besser bzw. gerechtfertigt, wenn es alle machen?
Sicher nicht.

Wie kommuniziert ein Lehrer mit seinen Schülern?

Baden-Württemberg hat, laut diesem Artikel auf Spiegel Online, Lehrern jetzt verboten, facebook für berufliche Zwecke zu nutzen. Ebenfalls untersagt ist es, Dokumente in eine „Cloud“ zu stellen (also einen virtuellen Speicherplatz im Internet, von wo aus sie für alle Nutzer mit dem korrekten Link und evtl. Passwort abrufbar sind). Die Begründung für diese Anweisung: Facebook, Google+, Twitter und Co. sind nicht mit den deutschen oder europäischen Datenschutzgesetzen vereinbar.

Bitte denken Sie über diesen Satz kurz nach – vor allem, wenn Sie selbst bei einer oder mehreren dieser Seiten angemeldet sind.

Ein Lehrer kommt zu Wort und findet das „weltfremd“ und befürchtet, dass er „….Schüler nicht mehr kurzfristig erreichen, wenn er nicht Facebook nutzen könne. Absprachen für Kurse und Arbeitsgemeinschaften würden extrem verkompliziert. Viele Teenager würden einfach keine E-Mails mehr lesen, sondern sind nur im sozialen Internet unterwegs.“

Da stellt sich die Frage, ob Lehrer kein Telefon mehr haben? Man sollte doch annehmen dass er seine Schüler jeden Tag in der Schule sieht, was es möglich machen sollte, eine Arbeitsgemeinschaft zu organisieren? Ist es mittlerweile üblich geworden, dass Schüler und Lehrer nachmittags nach der Schule in ihrer freien Zeit, in der sie sich vom Schultag erholen sollten, solche schulischen Absprachen treffen, anstatt das in der Schule zu erledigen wo es hingehört?

Und – was ist mit den Schülern, die nicht bei facebook sind? Die werden dann quasi in das soziale Netzwerk hineingezwungen, das – siehe oben – nicht den deutschen Datenschutzgesetzen entspricht, um in ihrem schulischen Leben nichts zu verpassen?

Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie der russische Geheimdienst, der sich nach Bekanntwerden der Abhöraktionen diverser anderer Geheimdienste jetzt wieder mit mechanischen Schreibmaschinen ausrüstet, aber so ein bisschen Altmodischsein ist mitunter nicht verkehrt. Man kann auch ohne Internet kommunizieren, und nach Ende des Unterrichts müssen weder Schüler für ihren Lehrer, noch der Lehrer für seine Schüler erreichbar sein, Notfälle ausgenommen. Und für einen Notfall ist ein Telefonanruf ohnehin besser als ein facebook-Posting.

Mehr zu Google Glass….

…..sowie der Verschmelzung von Realität und digitaler Welt – “Augmented Reality” – kann man z.B. in dieser Spiegel-Kolumne nachlesen.

Es ist für alle anderen Menschen klar ersichtlich, ob ein Mensch, in dessen Nähe man sich aufhält, gerade ein Computer, Tablet oder Smartphone nutzt oder nicht. Und man kann unter Umständen auch erahnen, ob mit dem Gerät gerade etwas fotografiert oder gefilmt wird – wer selbst nicht auf den Aufnahmen sein möchte, hat die Chance, das zu unterbinden oder sich selbst aus dem Bild zu nehmen.

Mit der Google Glass kann der Nutzer, unbemerkt von den Menschen um ihn herum, Fotos oder Videos machen ohne dass die Fotografierten und Gefilmten das auch nur ahnen. Es gibt kaum eine Möglichkeit, selbst zu beeinflussen, ob und welche Bilder von einem gemacht werden – und ob und wo diese veröffentlicht werden. Selbst Menschen die weder Computer noch Digitalkamera haben, könnten sich so eines Tages auf einem Videokanal im Internet finden. Wenn sie sich denn finden.

Diese Entwicklung ist unheimlich, wird aber vermutlich, entgegen aller engagierten Bemühungen, kaum aufzuhalten sein.
Eine Medienbildung im Sinne von Bildung für den verantwortlichen Umgang mit Medien – anstelle von einer Bildung der rein technischen Fähigkeiten – ist dringend nötig.

Virtuelle Kriege?

Im “Hyperland” Blog des ZDF ist im März ein Artikel erschienen, der die zunehmende Annäherung von Computerspielen und “echtem” Krieg bzw. Soldatentrainings thematisiert:
Virtuelle Kriege: Maus statt Manöver

Die Bundeswehr will ihre Soldaten im Einsatz vernetzen und nutzt dafür das Gladius-System – Googles Datenbrille Google Glass hingegen, die ähnliche Funktionen nur für den zivilen Einsatz haben soll, wurde bereits gehackt bevor das erste Gerät überhaupt verkauft ist.
Abgesehen von den offensichtlichen Problemen mit dem Datenschutz zeigt diese Entwicklung, dass die Grenze zwischen Krieg und Spiel immer mehr verschwimmt.
Wenn das Computerspiel aussieht wie Krieg, und der Krieg wie ein Computerspiel, was macht das mit dem Spieler? Und verändert es die Hemmschwelle des Soldaten, der nicht mehr auf eindeutig menschliche Wesen zielt und schießt, sondern auf Pixelpunkte?

Es lohnt sich, darüber nachzudenken.

Deutscher Computerspielpreis 2013

Am 24. April 2013 wurde der Deutsche Computerspielpreis zum fünften Mal vergeben.

Bemerkenswert ist der Sieger der Kategorie “Bestes Kinderspiel”: Eine App, die sich an Klein(st)kinder richtet, bzw. wohl eher an deren Eltern, die ihr Kind beschäftigt sehen möchten, ohne Malpapier, Stifte und/oder ein Vorlesebuch mitnehmen zu müssen.

Entlarvend ist dieser Satz im Blog von Apple:

Mehr noch aber als ein solches Repräsentationsobjekt (gemeint ist der Deutsche Computerspielpreis – Anm. der Autorin) kann die App der Branche in einer anderen Weise nützlich sein: Sie kann helfen Qualitätsstandards für digitale Kindermedien zu entwickeln und damit die Akzeptanz der Spielekultur in Kinderzimmern stärken.

Darum geht es also – um den Nutzen für die Branche. Um die Akzeptanz der “Spielekultur” im Kinderzimmer.

Über die Hintergründe des Computerspielpreises als PR-Maßnahme und warum uns der obige Satz nicht verwundert hat, können Sie im Buch “Bildung und Medien” genaueres nachlesen.

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