Archiv für den Monat: Oktober 2013

Ihr Smartphone als Datensammelstelle – Teil 2

Ihr Smartphone hat eine Ortungsfunktion via GPS eingebaut, so dass es immer Bescheid weiß wo Sie sich gerade befinden. Außerdem sucht es vermutlich automatisch nach WLAN Netzen in Ihrer Umgebung, die von Google im Rahmen der Streetview-Erfassung ebenfalls registriert wurden. Diese Ortungsmöglichkeiten können Ihnen nicht nur den Weg von A nach B erleichtern und/oder das Wetter maßgeschneidert vorhersagen, es ermöglicht auch Rückschlüsse auf Ihr Leben:
Wo halten Sie sich tagsüber auf? (Arbeitsstelle, Schule?) und wo abends? (da wohnen Sie)
Gehen Sie ohne Umwege von Arbeit/Schule nach Hause, oder machen Sie Abstecher? Wohin?
Wo kaufen Sie ein – Discounter, Feinkostgeschäft, Bioladen?
Was machen Sie am Wochenende? (Shopping- oder Bergtouren?)

All dies wird mitprotokolliert – ihr Handy weiß unter Umständen mehr über Sie als Ihre engsten Familienangehörigen, und ziemlich sicher mehr, als Sie es je wissen lassen wollten.

Sehen Sie plötzlich Werbung für Outdoorbekleidung im Handybrowser? Dann waren Sie vielleicht kürzlich irgendwo bei schlechtem Wetter in unwegsamem Gelände unterwegs?
Wenn Sie sich mehr im Bio- und Feinkostgeschäft aufhalten als bei Discountern, lässt das Schlüsse auf Ihre finanziellen Verhältnisse zu, die die Werbeindustrie ebenfalls interessant finden dürfte.
Ihr Handy wird Ihnen gestohlen? Praktischerweise hat der Dieb mit Ihrem Bewegungsprofil auch gleich den Überblick, wann Sie zuhause sein dürften und wann er dort ungestört sein dürfte.

Das nächste Apple iOS Update wird die Funktion des Bewegungsprofils („Häufige Orte“ genannt) integriert haben, Android Handys haben den „Standortverlauf“ schon länger und teilen die Informationen regelmässig mit Google.

Ganz perfide wird es dann mit Apps wie Familonet oder Finde mein Handy, die schon bei der Überwachung der Familienmitglieder ein mulmiges Gefühl hinterlassen. Was machen Sie aber, wenn zum Beispiel ihr Chef Sie auffordert, ihr Team als „Familie“ einzurichten und alle Bewegungsprofile der Teammitglieder an ihn zu schicken? Hier werden Grenzen niedergerissen, die so schnell nicht mehr errichtet werden können wenn sie einmal gefallen sind.

Weiterführende Informationen – auch dazu, wie sich diese Überwachung abstellen lässt – finden Sie zB. auf der Webseite handysektor.de, die sich vor allem an Jugendliche richtet,  besonders die Seiten hier und hier.

Erwachsene lesen vielleicht lieber auf teltarif nach, wie Datenschutz bei Ihrem Betriebssystem funktioniert und wie man Daten wirklich löschen kann.

Facebook: geänderte Einstellungen für Jugendliche

Jugendliche dürfen ab 13 Jahre ein facebook-Konto eröffnen, und bis sie 18 sind, gelten etwas andere Regeln und Einstellungen als für Erwachsene.
An diesen Regeln und Einstellungen hat sich nun ein wenig geändert, wie aus diesem Eintrag im facebook-Blog hervorgeht (oder auf Deutsch hier nachzulesen):

Bisher war für neue Beiträge vorgesehen, dass diese für „Freunde“ und maximal noch für „Freunde von Freunden“ sichtbar waren, was auch schon einen für den Schreiben des Beitrages unübersehbar großen Personenkreis umfasst.
Die „Freunde von Freunden“ Möglichkeit war die Voreinstellung und konnte manuell auf „nur die Freunde“ eingeschränkt werden.

Jetzt hat sich diese Voreinstellung geändert: Wer es bei der voreingestellten Option belässt, teilt seine Beiträge nur mit seinen „Freunden“.
Aber: optional können Jugendliche jetzt auch komplett öffentlich posten, also von allen facebook-Nutzern gelesen werden – das ging bisher nicht.
Wer die Einstellung bei seinem Post entsprechend ändert, bekommt noch einen kurzen Hinweis zu sehen dass man jetzt unter Umständen Freundschaftsanfragen und Nachrichten von Leuten bekommen könnte die man gar nicht kennt (soll das etwa abschreckend wirken?), bestätigt kurz dass man die Änderung wirklich möchte, und dann sieht die ganze Welt, was der Jugendliche postet. Beim zweiten öffentlichen Posting kommt eine noch kürzere Erinnerung dass jeder diese Posts sehen kann, und ab dann kann ohne weitere Meldungen nach Herzenslust öffentlich gepostet werden.

Diese Änderung ist ein (aktueller) Grund mehr, sich mit seinem Kind über Datenschutz und Privatsphäre zu unterhalten und klarzumachen, dass nur sehr sehr wenige Dinge weltweit veröffentlicht werden müssen.
Die Fotos von Oma Gertruds Geburtstag sind ebenso Privatsache wie die Ankündigung, Freitag abend ins Kino gehen zu wollen – das kann eventuell unter den direkten Freunden besprochen werden, aber die Gesamtheit der 1 Milliarde facebook- Nutzer geht es schlicht nichts an.

Bewegt sich was beim Jugendmedienschutz?

Die Redaktion des Spiegel Online berichtet in letzter Zeit hin und wieder kritisch über Spieletrends im Allgemeinen und Besonderen, was uns natürlich freut, da der Spiegel doch von etwas mehr Menschen gelesen wird als viele der „üblich kritischen“ Quellen.

Nachdem ein Journalist das neue GTA V getestet hatte und binnen 20 Stunden Spielzeit auf 636 getötete „Pixelmännchen“ (so nennt er die grafisch herausragend dargestellten dreidimensionalen Figuren) kam, schreibt jetzt ein anderer Autor, der eigentlich für ein Gamer-Magazin tätig ist, wieder bei Spiegel-Online über die Notwendigkeit eines Skandals aufgrund ständiger massiver Verletzungen elementarster Menschenrechte in Shootern – Zitat:

Heutige Militär-Shooter hätten es verdient, durch die Presse öfters skandalisiert zu werden, um so eine öffentliche Diskussion über den Inhalt der Spiele in Gang zu bringen. Es geht nicht um ein – vor allem in der Diskussion um „Killerspiele“ oft gehörtes – Verbot bestimmter Videospiele. Aber die in vielen Spielen zur Schau gestellten klaren Verbrechen gegen die Menschheit müssen als solche benannt und aufgezeigt werden. Heutige Militär-Shooter erklären weltweite Militärinterventionen, Folterungen und Exekutionen zur unhinterfragten, nützlichen und sogar gerechten Normalität. Dem Spieler werden die Methoden seiner virtuellen Protagonisten als vollkommen unproblematisch verkauft.

Wenn inzwischen sogar selbst erklärte „Gamer“ zu der Ansicht kommen dass es reicht mit der Gewaltdarstellung, dass Jugendlichen genug zugemutet worden ist, dass es bedenklich ist wenn – wir zitieren erneut

die Gegner in den Spielen gegen elementare Rechte verstoßen und dies vom Spiel nicht kommentiert wird […..]. Wenn aber auch die eigene Seite jedes Menschen- und Kriegsrecht mit Füßen tritt, ohne dass dies auch nur irgendwie kritisch als Fehlverhalten angemerkt wird, werden solche Methoden und Handlung zur unhinterfragten Norm erklärt.

dann besteht zumindest eine kleine Aussicht auf Hoffnung, dass dies in den Köpfen einiger Leser ein Umdenken, oder vielleicht auch ein erstmaliges bewußtes Nachdenken, über den Inhalt einiger Spiele bewirken kann. Dies kommt jetzt gerade zur vorweihnachtlichen Geschenkewerbezeit, und wir freuen uns über jeden Minderjährigen, der aufgrund dieser Berichterstattung solche Spiele nicht auf dem Gabentisch findet.