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Nach Anschlag in Halle – Die Gamer-Szene ist nicht (wirklich) das Problem

Man müsse die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen, behauptete letzte Woche Innenminister Seehofer nach den Anschlägen in Halle.

In diesem Zeit-Artikel wird Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, zitiert, der treffend formuliert: „Das Problem heißt Rechtsextremismus, nicht Gamer oder sonst was.“

Ja, in der Gamer-Szene gibt es einige Probleme, auf die das IMV und der Verein gegen „Mediengewalt“ seit längerem aufmerksam macht.

In diesem Zusammenhang auf sie hinzuweisen scheint jedoch eher davon ablenken zu wollen, sich politisch ernsthaft mit der Problematik des wachsenden Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland auseinanderzusetzen und dafür entsprechende Lösungen anzubieten. Dieses Manöver gilt es zu durchschauen.

Wer digital unterwegs ist, lernt nicht

Das ist die Kernaussage des Artikels Schwieriges Lernen vor dem Bildschirm der Neuen Zürcher Zeitung vom 9. April diesen Jahres.

Die Nutzung digitaler Medien lenkt ab, stresst das Gehirn, verhindert auf die Art ein „Einsinken“ des Lernstoffes, und frustriert Kinder, die von den digitalen Medien eine sofortige Belohnung gewöhnt sind. Das Erfolgserlebnis beim Lernen von z.B. Vokabeln erfolgt zeitlich unter Umständen erst Tage später, anders als die Belohnung für eine Handlung bei einem Computerspiel – die kommt sofort. Wer die sofortige Belohnung gewöhnt ist, kann mit dem (erst Mal) ausbleibenden Erfolgserlebnis beim Vokabellernen nur schlecht umgehen.

Wer die Selbstregulation und Selbstdisziplin nicht aufbringt, um sich von der digitalen Ablenkung loszureißen und auf den Schulstoff zu konzentrieren, wird in der Schule ein Problem bekommen. Das stresst, und Stress wird von Jugendlichen gerne beim Computerspielen abgebaut, was wiederum vom Schulstoff abhält, usw.

Die Kinder müssen lernen, mit digitalen Medien und ihren Möglichkeiten umzugehen – auch mit der Ablenkung durch sie. Hier sind die Erwachsenen gefragt, als Gesprächspartner und, vor allem: Vorbilder.
Wer selbst alle paar  Minuten „nebenbei“ das Smartphone auf neue Nachrichten überprüft, sollte sich nicht wundern wenn der Nachwuchs die Ermahnungen, sich doch endlich auf die Vokabeln zu konzentrieren, nicht sonderlich ernst nimmt…..