Es wird mal wieder der Teufel an die Wand gemalt: der Tagesspiegel befindet, dass Deutschland „bei den wichtigsten Kompetenzen für die Teilhabe an der modernen Welt“ „erheblichen Nachholbedarf“ hat.
Mit diesen „wichtigsten Kompetenzen“ ist nun nicht etwa eine gründliche Allgemeinbildung, Toleranz, Demokratieverständnis oder so etwas gemeint, sondern – die Fähigkeit, mit digitalen Medien umgehen zu können.
„Tablets und Smartphones sind Zugangsgeräte zu Wissen und Kultur“ behauptet die Autorin des Artikels, eine Bundestagsabgeordnete – was unserer Meinung nach auf ein interessantes Verständnis von Wissen und Kultur hindeutet, aber nichts mit Bildung zu tun hat.

Anlass zu ihrem Artikel im Tagesspiegel gibt die ICILS Studie (hier das pdf), eine internationale Vergleichsstudie, bei der die Fähigkeiten von Achtklässlern im Umgang mit digitalen Medien und den durch diese Medien gelieferten Informationen gemessen wurde. Am Computer gemessen, natürlich. Entgegen der pessimistischen Einschätzung im oben genannten Artikel, dass Deutschland das internationale Schlusslicht bilde, ist auf der Seite des Bildungsministeriums nachzulesen dass Deutschland im Mittelfeld liege. Ja was denn nun?

Wir möchten eine besonnenere Leseempfehlung aussprechen:
Gerald Lembke, Die Lüge der digitalen Bildung. Warum unsere Kinder das Lernen verlernen

Ja, Medienbildung muss sein. Aber bitte angepasst an die geistige und kognitive Entwicklung von Kindern, nicht mit dem Holzhammer durch technische Aufrüstung schon im Kindergarten.