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Medienkompetenz hilft nur, wenn sie auch angewendet wird

71 Prozent der (in einer nicht repräsentativen Online-Umfrage) befragten Lehrer geben an, mehrmals in der Woche Unterrichtsmaterialien aus frei verfügbaren Internetquellen zu verwenden.  90 Prozent sagen sogar, diese externen Materialien seien genauso relevant wie die regulären Schulbücher.

Und 72 Prozent der in dieser Umfrage befragten Lehrer geben an, dass ihnen die Zeit für eine Prüfung der Materialien fehlt. Also z.B. der Frage wer dieses Material publiziert, ist es werbefrei, weltanschaulich neutral und unparteiisch?

Das heißt also, ein großer Teil der Unterrichtsmaterialien, mit denen täglich gearbeitet wird, wurde nicht dahingehend überprüft.
Das Projekt „Materialkompass“ der Verbraucherzentrale Bundesverband, das genau das tut, wird nur noch bis Ende 2017 finanziert und muss dann wohl eingestellt werden.

So wird derzeit also Medienkompetenz (und anderes mehr) unterrichtet, von Menschen die zwar grundsätzlich vielleicht medienkompetent sind, diese Kompetenz aber nicht anwenden(können)?
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Wie verlässlich sind freie Unterrichtsmaterialien? Ein Groߟteil der Lehrer bestätigt: Mehr Transparenz und Prüfung ist wichtig -€“ auch im Bereich digitale Medien

Wie verlässlich sind freie Unterrichtsmaterialien? Ein Großteil der Lehrer bestätigt: Mehr Transparenz und Prüfung ist wichtig – auch im Bereich digitale Medien | News4teachers

4. Oktober 2017

Der aktuelle „Monitor Digitale Bildung“ der Bertelsmann-Stiftung zeigt es: Generell sind Lehrkräfte bereit, sich mit digitalen Medien auseinander zu setzen. Dass es häufig nur bei dem guten Vorsatz bleibt, liegt an schlechter Ausstattung, fehlenden Konzepten – und auch an der unübersichtlichen Fülle von Lehrmaterial in diesem Bereich. Die Forderung nach einer prüfenden Instanz, wird daher immer wieder laut. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) reagiert darauf: Er hat seinen Materialkompass mit Materialien zum Thema Digitale Medien aufgefüllt und will mit Lehrerkräften über weitere Lösungen diskutieren.

Unterrichtsmaterialien zum Thema Digitales und Medienkompetenz gibt es in rauen Mengen: von Verlagen, Vereinen, Stiftungen, Unternehmen, Interessensverbänden und etlichen mehr. Viele davon sind online sogar frei verfügbar. Wie die Bertelsmann-Studie zeigt, bemängelt allerdings knapp die Hälfte der Lehrer den großen Zeitaufwand, der mit der Suche nach geeignetem und guten Material verbunden ist. „Digitalisierung darf für Lehrkräfte nicht als zusätzliche Belastung erscheinen, sondern sollte Teil der Lösung für ihre pädagogischen Herausforderungen sein“, so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Dazu sei es auch nötig, mehr Transparenz über die Qualität digitaler Lernmaterialien zu schaffen.

 

Source: www.news4teachers.de/2017/10/wie-verlaesslich-sind-freie-unterrichtsmaterialien-ein-grossteil-der-lehrer-bestaetigt-mehr-transparenz-und-pruefung-ist-wichtig-auch-im-bereich-digitale-medien/

 

 

Forschung und soziale Medien

Die Wahrnehmung von Wissenschaft und Forschung verändert sich momentan durch die sozialen Medien sehr, sagt Martin Stratmann von der Max-Planck-Gesellschaft. Die Deutsche Presseagentur hat ihn interviewt – bemerkenswert unter anderem, dass es auch in der Diskussion über Forschung sogenannten Filterblasen gibt, wo nur das wahrgenommen/angezeigt wird, was die eigene vorhandene Meinung bestätigt.

Martin Stratmann: Die sozialen Medien verstärken die Empörung, das sieht man bei emotional aufgeladenen Themen wie Tierversuchen. Solche Dinge finden rasant Verbreitung in sozialen Netzen – auch ungeachtet ihres Wahrheitsgehalts. Wir merken zudem, dass sich in den Netzwerken immer wieder Meinungsblasen bilden, wo Risiken wissenschaftlicher Forschung einseitig diskutiert werden und Wissenschaft als solche in Frage gestellt wird. Das sind sich selbstverstärkende Meinungsblasen, die es früher mit dieser Reichweite nicht gegeben hat.

Und dann mischt auch noch die Politik mit…..
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Wenn nur noch Meinung zählt: Max-Planck-Präsident beklagt, dass Populisten zunehmend Wissenschaft infrage stellen

Der Blick der Öffentlichkeit auf wissenschaftliche Ergebnisse wird von der Politik mitunter erheblich beeinflusst, sagt der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. «Dem Ruf der Wissenschaft können solche politischen Dispute enorm schaden.»

Source: www.news4teachers.de/2017/03/wenn-nur-noch-meinung-zaehlt-der-praesident-der-max-planck-gesellschaft-beklagt-dass-populisten-immer-oefter-die-wissenschaft-infrage-stelle/

Laut und freundlich

Das „Bundestrollamt für gegen digitalen Hass“ ist ein Projekt der Neuen deutschen Medienmacher und setzt sich gegen Hate Speech ein – es zeigt Beispiele, und auch Kontermöglichkeiten. Und das alles auf eine sehr humorvolle Weise – ansehen und weiterverbreiten!

NO HATE SPEECH

Europaweite Kampagne des Europarates gegen Hassreden im Netz. Das #NoHateSpeech Movement macht klar, dass wir das Netz keineswegs denen überlassen, die pöbeln, hetzen, diskriminieren. Wir zeigen uns, damit die Betroffenen nicht allein sind.

Source: no-hate-speech.de/

Safer Internet Day 2017

Heute ist Safer Internet Day, dieses Jahr mit dem Schwerpunkt Cybermobbing und vielen Veranstaltungen rund um Prävention, Konsequenzen, Hilfeangebote für Betroffene.

Das im untenstehenden heise-Artikel gelobte Klicksafe als Initiator und Koordinator des Safer Internet Day hält allerdings nicht nur Lösungselemente vor, sondern ist auch ein Teil des Problems.
Der Klicksafe- Ansatz, dass Kinder so früh wie möglich mit dem Internet vertraut gemacht werden müssen, entspringt dabei wohl vor allem den Wünschen der sponsernden Industrie – Microsoft, ProSiebenSat.1, o2 und SuperRTL finden sich unter anderem in der Liste der Kooperationspartner.
Mehr dazu lesen Sie im Buch Bildung und Medien.
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Safer Internet Day 2017: Vereint für ein besseres Internet

Am weltweiten Tag für das sichere Internet wird in Deutschland das Thema Cybermobbing in den Vordergrund gestellt. Besonders betroffen sind Jugendliche, an die sich verschiedene Angebote richten.

Source: www.heise.de/newsticker/meldung/Safer-Internet-Day-2017-Vereint-fuer-ein-besseres-Internet-3618760.html

Medien beeinflussen (weibliche) Berufswünsche

Prof. Dr. Marion Esch aus Berlin hat im Rahmen eines Forschungsprojektes der TU Berlin untersucht, ob Mediendarstellungen die Berufswünsche von Kindern und Jugendlichen, insbesondere Mädchen, beeinflussen, und kam zu dem Schluss dass dies tatsächlich der Fall ist.

Frauen werden in fiktionalen Filmen/Serien zum größten Teil in Dienstleistungsberufen dargestellt, nur sehr selten in technischen Berufen oder Leitungsfunktionen – wenn sie nicht ohnehin primär die Aufgabe haben, sich um die Familie und den Haushalt zu kümmern.

Somit besteht im Fernsehprogramm die traditionelle Rollenverteilung fort – und die Ausnahmen haben meist einen ziemlich starken direkten Effekt.

So hat zB. die Serie „CSI“, mit starken, verantwortlichen Frauen als Hauptpersonen in der Forensik, in den USA dazu geführt, dass der Anteil der weiblichen Studienanfänger für Forensik seit dem Serienstart um 64% gestiegen ist und mittlerweile drei Viertel der Studienanfänger weiblich sind.

Link zur pdf der Studie

Die Neue Züricher Zeitung hat die Erkenntnisse aus dieser und anderer Untersuchungen in diesem Artikel zusammengefasst.

Fazit: Auch wenn es nicht bewusst wahrgenommen wird, das was uns von und in den Medien präsentiert wird, beeinflusst unser Bild von der Welt und damit unter Umständen lebensprägende Entscheidungen.

Unabhängiger Journalismus in der Anstalt

Seitdem in der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ am 29. April 2014 die Verklüngelung von Journalisten und Politikern aufgezeigt wurde, wird diskutiert ob wir nur noch einen Verlautbarungsjournalismus haben, der brav das verkündet, was die Politik verkündet haben möchte?

Dieser telepolis-Artikel über die Machteliten ist lesenswert – und zeigt auf, dass die „Anstalt“  Sendung auf das Buch „Meinungsmacht“ von Uwe Krüger zurückgeht, erschienen 2013 im Halem-Verlag.

Nach Erscheinen des Buches gab es ein leichtes Rauschen im Blätterwald (die FAZ rezensierte, telepolis interviewte, die Nachdenkseiten ebenso, ossietzky und die AG Friedensforschung loben das Buch ebenso wie viele andere), aber eine wirkliche Breitenwirkung? Fehlanzeige.

Das könnte sich jetzt durch „Die Anstalt“ ändern – seitdem wird über Verlautbarungsjournalismus und Gefälligkeitsartikel diskutiert, der Herausgeber der „Zeit“ beschwert sich (getroffene Hunde bellen?), und die Bilderberg-Konferenzen sind plötzlich viel weniger geheim als noch letztes Jahr.

Was lehrt uns das? Skepsis in erster Linie, gegen das was die „großen“ Medien verkünden.
Und Verunsicherung – welchen Nachrichten kann ich trauen? Was erfahre ich gar nicht? Und warum nicht?

Einerseits ist es schade, dass diese Verunsicherung und Skepsis um sich greift – wie schön wäre es, wenn wir wirklich unvoreingenommen, unabhängig und objektiv über Fakten informiert würden – andererseits ist eine kritische Grundhaltung gegenüber dem, was und täglich als Fakten mitgeteilt wird, durchaus sinnvoll. Nur kann wohl kaum jemand die Zeit aufbringen, die Nachrichten auf eventuelle Spins, also Beeinflussungen, sowie Vollständigkeit und Korrektheit zu überprüfen.

Interview mit Sabine Schiffer in der taz

In der taz erschien ein Interview mit Dr. Sabine Schiffer – die Rolle der Gewalt in Computerspielen, die Auswirkungen auf Politik, Medien und Alltag, Einflüsse der Spieleindustrie, Medienbildung in Schule und Elternhaus, und vieles andere mehr. Lesenswert!

Gesichtserkennung, Iris-Scans, biometrischer Datenabgleich – Haben Sie auch Ihre Kinder so im Blick?

Den Ist-Zustand in den USA beschreibt dieser Artikel der Zeit – es werden recht wahllos Daten gesammelt, Bilder aus nicht näher genannten Quellen in diese Datenbanken integriert, und auf die Art kann jede(r) in das Fahndungsraster geraten ohne darüber überhaupt informiert zu werden.
Zitat:

In der Kritik steht ein Programm namens Next Generation Identification, kurz NGI. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung des Integrated Automated Fingerprint Identification Systems (Iafis), das schon jetzt mehr als 100 Millionen Fingerabdrücke umfasst. Das NGI soll diese Datenbank ausbauen, und zwar mit weiteren biometrischen Daten: Es geht um Handflächen- und Iris-Scans, sowie eben um die Möglichkeit einer umfassenden Gesichtserkennung.

Alle Daten fließen in einer zentralen Datenbank zusammen, die von insgesamt 18.000 Strafverfolgungsbehörden auf lokaler, bundesstaatlicher und auf Bundesebene in den USA genutzt wird. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, könnte die Datenbank bis zum Jahr 2015 rund 52 Millionen Fotos zur Gesichtserkennung enthalten; 55.000 Bilder können pro Tag neu eingestellt werden, heißt es in der Pressemitteilung der EFF.

Langfristig wird diese Vorgehensweise dazu führen, dass jede(r) Einzelne von uns als mögliche(r) Kriminelle(r) angesehen und, bis zum Nachweis der Unschuld, als solche(r) behandelt wird. Das ist die Umkehr des rechtsstaatlichen Grundprinzips der Unschuldsvermutung.

Durch die Gesichterkennungssoftware können Internetseiten nach Fotos durchsucht und diese in die Datenbank einsortiert werden. Ohne dass der/die Betroffene davon überhaupt erfährt.
Und wann haben Sie das letzte Foto von sich und/oder Ihren Kindern bei Facebook, Instagram, Twitter oder einer anderen Plattform gepostet?

Facebook: geänderte Einstellungen für Jugendliche

Jugendliche dürfen ab 13 Jahre ein facebook-Konto eröffnen, und bis sie 18 sind, gelten etwas andere Regeln und Einstellungen als für Erwachsene.
An diesen Regeln und Einstellungen hat sich nun ein wenig geändert, wie aus diesem Eintrag im facebook-Blog hervorgeht (oder auf Deutsch hier nachzulesen):

Bisher war für neue Beiträge vorgesehen, dass diese für „Freunde“ und maximal noch für „Freunde von Freunden“ sichtbar waren, was auch schon einen für den Schreiben des Beitrages unübersehbar großen Personenkreis umfasst.
Die „Freunde von Freunden“ Möglichkeit war die Voreinstellung und konnte manuell auf „nur die Freunde“ eingeschränkt werden.

Jetzt hat sich diese Voreinstellung geändert: Wer es bei der voreingestellten Option belässt, teilt seine Beiträge nur mit seinen „Freunden“.
Aber: optional können Jugendliche jetzt auch komplett öffentlich posten, also von allen facebook-Nutzern gelesen werden – das ging bisher nicht.
Wer die Einstellung bei seinem Post entsprechend ändert, bekommt noch einen kurzen Hinweis zu sehen dass man jetzt unter Umständen Freundschaftsanfragen und Nachrichten von Leuten bekommen könnte die man gar nicht kennt (soll das etwa abschreckend wirken?), bestätigt kurz dass man die Änderung wirklich möchte, und dann sieht die ganze Welt, was der Jugendliche postet. Beim zweiten öffentlichen Posting kommt eine noch kürzere Erinnerung dass jeder diese Posts sehen kann, und ab dann kann ohne weitere Meldungen nach Herzenslust öffentlich gepostet werden.

Diese Änderung ist ein (aktueller) Grund mehr, sich mit seinem Kind über Datenschutz und Privatsphäre zu unterhalten und klarzumachen, dass nur sehr sehr wenige Dinge weltweit veröffentlicht werden müssen.
Die Fotos von Oma Gertruds Geburtstag sind ebenso Privatsache wie die Ankündigung, Freitag abend ins Kino gehen zu wollen – das kann eventuell unter den direkten Freunden besprochen werden, aber die Gesamtheit der 1 Milliarde facebook- Nutzer geht es schlicht nichts an.