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Lernen geht nur in Beziehung

… und das sollte man auch in der aktuellen Digitalisierungs-Debatte nicht vergessen! – – –

Die Schule von morgen (1/2) | ARTE

Die Schule von morgen (1/2) | ARTE

Weltweit werden neue pädagogische Modelle erprobt. Von Singapur über Finnland und Frankreich bis in die Vereinigten Staaten gibt die Dokumentation einen Überblick über die besten Systeme und zeigt besonders vielversprechende Experimente. Lehrer, Eltern, Schüler und Forscher veranschaulichen die neuen Methoden und sprechen über Zweifel, Ambitionen und Hoffnungen.

Quelle: www.arte.tv/de/videos/075778-002-A/die-schule-von-morgen-1-2/

Digitalisierung und schulische Bildung

Prof. Dr. Dr. Spitzer von der Psychiatrischen Universitätsklinik & Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen der Universität Ulm war im Oktober 2016 im Hessischen Landtag.
Eingeladen hatte ihn die Enquetekommission „Kein Kind zurücklassen – Rahmenbedingungen, Chancen und Zukunft schulischer Bildung in Hessen“, Thema der Anhörung war die Digitalisierung.

Prof. Spitzer hat dem Institut für Medienverantwortung (IMV) freundlicherweise das Protokoll dieser Anhörung zur Verfügung gestellt, das wir als Gastbeitrag auf der Webseite veröffentlicht haben. Hier geht es zu den Gastbeiträgen.

Ein Zitat aus dem Protokoll:

6. Können digitale Medien die digitale Spaltung (digital divide) überwinden helfen und
Bildungschancen von Kindern/Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten erhöhen?

Man findet sehr oft die Behauptung, dass digitale Medien die Bildungschancen aus
bildungsfernen Schichten erhöhen würden. Das Argument klingt zunächst pausibel: Wenn
erst einmal jeder das Wissen der Welt mittels eines digitalen Endgeräts und
Internetanschlusses zur Verfügung hätte, dann wäre Bildungsungerechtigkeit damit im
Wesentlichen abgeschafft. Leider wird dieses Argument durch empirische Befunde nicht
gestützt. Es ist und bleibt Wunschdenken!
Es gibt eine ganze Reihe von Studien die gezeigt haben, dass der Einsatz digitaler Medien
gerade schwache Schüler noch weiter schwächt. Starke Schüler werden durch digitale
Medien entweder gar nicht oder nur wenig in ihren Lernleistungen beeinträchtigt, schwache
Schüler hingegen sehr wohl. Eine im Jahr 2014 erschienene große Studie aus den USA
zeigt: „We demonstrate that the introduction of home computer technology is associated with
modest, but statistically significant and persistent negative impacts on student math and
reading test scores. Further evidence suggests that providing universal access to home
computers and high-speed Internet access would broaden, rather than narrow, math and
reading achievement gaps“ (Vigdor et al. 2014, S. 1103).

Weiterlesen hier in der pdf

 

Wer digital unterwegs ist, lernt nicht

Das ist die Kernaussage des Artikels Schwieriges Lernen vor dem Bildschirm der Neuen Zürcher Zeitung vom 9. April diesen Jahres.

Die Nutzung digitaler Medien lenkt ab, stresst das Gehirn, verhindert auf die Art ein „Einsinken“ des Lernstoffes, und frustriert Kinder, die von den digitalen Medien eine sofortige Belohnung gewöhnt sind. Das Erfolgserlebnis beim Lernen von z.B. Vokabeln erfolgt zeitlich unter Umständen erst Tage später, anders als die Belohnung für eine Handlung bei einem Computerspiel – die kommt sofort. Wer die sofortige Belohnung gewöhnt ist, kann mit dem (erst Mal) ausbleibenden Erfolgserlebnis beim Vokabellernen nur schlecht umgehen.

Wer die Selbstregulation und Selbstdisziplin nicht aufbringt, um sich von der digitalen Ablenkung loszureißen und auf den Schulstoff zu konzentrieren, wird in der Schule ein Problem bekommen. Das stresst, und Stress wird von Jugendlichen gerne beim Computerspielen abgebaut, was wiederum vom Schulstoff abhält, usw.

Die Kinder müssen lernen, mit digitalen Medien und ihren Möglichkeiten umzugehen – auch mit der Ablenkung durch sie. Hier sind die Erwachsenen gefragt, als Gesprächspartner und, vor allem: Vorbilder.
Wer selbst alle paar  Minuten „nebenbei“ das Smartphone auf neue Nachrichten überprüft, sollte sich nicht wundern wenn der Nachwuchs die Ermahnungen, sich doch endlich auf die Vokabeln zu konzentrieren, nicht sonderlich ernst nimmt…..