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Noch einmal: „Papers, Please“

Unser Blogeintrag vom September 2013 mit Spieleempfehlung: https://www.generationmedien.de/spieleempfehlung-papers-please/ und was aus diesem Spiel wurde:

Im März 2014 gewinnt „Papers Please“ den Independend Games Award http://www.zeit.de/digital/games/2014-03/igf-gewinner-papers-please-videospiel

Und jetzt den LARA-Preis, der vom Publikum selbst vergeben wird und im Rahmen der Verleihung des Deutschen Computerspielepreises vergeben wird:
http://www.stern.de/digital/spiele/computerspielpreis-und-lara-award-das-sind-die-besten-deutschen-games-2110870.html
http://www.deutscher-computerspielpreis.de/gewinner_2014.0.html

Ein toller Erfolg, wir gratulieren!

Interview mit Sabine Schiffer in der taz

In der taz erschien ein Interview mit Dr. Sabine Schiffer – die Rolle der Gewalt in Computerspielen, die Auswirkungen auf Politik, Medien und Alltag, Einflüsse der Spieleindustrie, Medienbildung in Schule und Elternhaus, und vieles andere mehr. Lesenswert!

SCHAU HIN!

Und hinterfrage die Beweggründe…..

Zitat von der Webseite des “30-Tage-Programm” SCHAU HIN!

Das 30-Tage-Programm ist ein kostenloses Programm der Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“. Hier erhalten Sie Tipps und Aufforderungen, wie Sie Ihr Kind im Umgang mit Medien begleiten können.

Klingt gut? Pädagogisch wertvoll? Oben rechts prangt der Bundesadler?

Wir haben genauer hingeschaut, auch in das Video, wo ein Fernsehkoch (wie Sie dessen Qualifikation beurteilen, überlassen wir Ihnen….) Eltern das Programm nahelegt. Worin nun besteht das “Programm” eigentlich?

Einen Monat lang werden alle zwei Tage Tipps per Mail an die teilnehmenden Eltern geschickt, wie diese gemeinsam mit ihren Kindern Medien entdecken können.

Da stellt sich die Frage – warum sollen Kinder Medien entdecken, auf die sie ohne dieses Programm vielleicht gar nicht, oder erst viel später, gekommen wären?

Der kleine Kasten oben rechts ist aufschlussreich: Schau Hin ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – und vodafone, TV Spielfilm, ARD und ZDF.
Und wer in’s Impressum schaut, findet dort eine “Kommunikationsagentur” die Werbung und PR Kampagnen für einen breitgefächterten Kundenkreis durchführt – unter anderem Fernsehsender und Microsoft.

Hinschauen lohnt sich also immer, nicht nur bei den Medien die von den Kindern konsumiert werden, sondern auch bei den angeblich wohlmeinenden Programmen, Lotsen, Unterstützungen usw. für die Eltern. Oft hilft ein kurzer Blick in das Impressum einer Webseite schon, um die Hintergründe dieser Webseite besser einschätzen zu können.

Sie können nicht so recht nachvollziehen, was ihr Kind an Computerspielen so fasziniert?

Dann müssen Sie unbedingt geschult werden um dieses Verständnis zu entwickeln! (Achtung, Ironie….)

Es gibt tatsächlich eine “Computerspieleschule”, die verständnislosen Eltern beibringen soll, was an Computerspielen so faszinierend ist. Zitat von der Seite der Computerspieleschule Leipzig:

“Bei uns können Eltern die Welt der Spiele und der Spieler erleben und sich selbst fit machen, um die Faszination der Spiele verstehen zu können. Denn gerade Eltern sind gefragt, wenn es darum geht, Regeln zu vereinbaren und die Weichen für den Medienkonsum der Kinder zu stellen. Mit fundiertem Wissen über die Inhalte verschiedener Computerspiele sind Eltern in der Lage, sich mit ihrem Kind darüber auszutauschen (…..)”

Auch für Pädagogen und Multiplikatoren gibt es Angebote – zB. wird Unterstützung angeboten, die vorhandenen Computer spieletauglich zu machen.
Die Kinder selbst sind ebenfalls aufgerufen, dort hin zu gehen um zu spielen (Eintritt frei für diejenigen, die Eltern oder Großeltern mitbringen), und es können dort auch Kindergeburtstage gefeiert werden. Wenn man sich die beiden Bilder auf der Seite anschaut – stellen Sie sich so eine gelungene Geburtstagsfeier von 9 oder 10jährigen vor? Alle sitzen drinnen, jeder vor seinem eigenen Monitor?

Diese Computerspieleschule wird von der Leipziger Universität betrieben und bekommt somit einen quasi wissenschaftlich-seriösen Anstrich, dabei ist es hauptsächlich eine Werbemaßnahme der Spieleindustrie, ein Blick auf die lange Liste der Förderer dieses Projekts ist aufschlußreich. Nintendo, Electronic Arts, tivola, dtp entertainment….. alle Branchengrößen sind vertreten.

Es ist äusserst bedauerlich, dass so unverhohlene Werbung öffentlich gefördert wird (die Stadt Leipzig ist ebenfalls auf der Fördererliste) und seitens der Betreiber eine Seriosität vorgetäuscht wird, die auf den zweiten Blick absolut anzuzweifeln ist.

Auch bei diesem Angebot gilt also dasselbe wie bei allen anderen auch:
Passen Sie auf, sehen Sie genau hin, recherchieren Sie Namen aus dem Impressum, hinterfragen Sie Motive und Motivation! Nicht immer ist es so offensichtlich wie in diesem Fall.

Deutscher Computerspielpreis 2013

Am 24. April 2013 wurde der Deutsche Computerspielpreis zum fünften Mal vergeben.

Bemerkenswert ist der Sieger der Kategorie “Bestes Kinderspiel”: Eine App, die sich an Klein(st)kinder richtet, bzw. wohl eher an deren Eltern, die ihr Kind beschäftigt sehen möchten, ohne Malpapier, Stifte und/oder ein Vorlesebuch mitnehmen zu müssen.

Entlarvend ist dieser Satz im Blog von Apple:

Mehr noch aber als ein solches Repräsentationsobjekt (gemeint ist der Deutsche Computerspielpreis – Anm. der Autorin) kann die App der Branche in einer anderen Weise nützlich sein: Sie kann helfen Qualitätsstandards für digitale Kindermedien zu entwickeln und damit die Akzeptanz der Spielekultur in Kinderzimmern stärken.

Darum geht es also – um den Nutzen für die Branche. Um die Akzeptanz der “Spielekultur” im Kinderzimmer.

Über die Hintergründe des Computerspielpreises als PR-Maßnahme und warum uns der obige Satz nicht verwundert hat, können Sie im Buch “Bildung und Medien” genaueres nachlesen.