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SCHAU HIN!

Und hinterfrage die Beweggründe…..

Zitat von der Webseite des “30-Tage-Programm” SCHAU HIN!

Das 30-Tage-Programm ist ein kostenloses Programm der Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“. Hier erhalten Sie Tipps und Aufforderungen, wie Sie Ihr Kind im Umgang mit Medien begleiten können.

Klingt gut? Pädagogisch wertvoll? Oben rechts prangt der Bundesadler?

Wir haben genauer hingeschaut, auch in das Video, wo ein Fernsehkoch (wie Sie dessen Qualifikation beurteilen, überlassen wir Ihnen….) Eltern das Programm nahelegt. Worin nun besteht das “Programm” eigentlich?

Einen Monat lang werden alle zwei Tage Tipps per Mail an die teilnehmenden Eltern geschickt, wie diese gemeinsam mit ihren Kindern Medien entdecken können.

Da stellt sich die Frage – warum sollen Kinder Medien entdecken, auf die sie ohne dieses Programm vielleicht gar nicht, oder erst viel später, gekommen wären?

Der kleine Kasten oben rechts ist aufschlussreich: Schau Hin ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – und vodafone, TV Spielfilm, ARD und ZDF.
Und wer in’s Impressum schaut, findet dort eine “Kommunikationsagentur” die Werbung und PR Kampagnen für einen breitgefächterten Kundenkreis durchführt – unter anderem Fernsehsender und Microsoft.

Hinschauen lohnt sich also immer, nicht nur bei den Medien die von den Kindern konsumiert werden, sondern auch bei den angeblich wohlmeinenden Programmen, Lotsen, Unterstützungen usw. für die Eltern. Oft hilft ein kurzer Blick in das Impressum einer Webseite schon, um die Hintergründe dieser Webseite besser einschätzen zu können.

KIM / JIM / FIM … Wie bitte?

Lauter kryptische Abkürzungen – was haben die zu bedeuten?

KIM, JIM und FIM sind keine neuen Modenamen, sondern Studien, die jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (MPFS) durchgeführt werden und die das Medienverhalten von Kindern, Jugendlichen und Familien beleuchten.

KIM steht für “Kinder + Medien, Computer + Internet” – wobei mit “Kindern” die Altersgruppe 6-13 Jahre gemeint ist
JIM ist die Studie, in der das Medienverhalten Jugendlicher (zwischen 12 und 19) im Mittelpunkt steht, und
FIM steht für “Familie, Interaktion und Medien” und untersucht nicht nur die Ausstattung der Famile mit und die Nutzung von Medien im Tagesablauf, sondern auch allgemein die Kommunikation untereinander, wie viel Zeit mit Gesprächen zugebracht wird, ob es bestimmte “Gesprächsrituale” gibt, wie in der Familie Entscheidungen getroffen werden usw.
Die JIM und FIM Studien erscheinen in jährlichem Wechsel, KIM wird jährlich veröffentlicht.

Die aktuelle, im April 2013 veröffentlichte KIM Studie, enthält zum ersten Mal einen Sonderteil “miniKIM”, der das Medienverhalten von Vorschulkindern zwischen 2 und 5 Jahren beschreibt.
Bei den 6 bis 13jährigen ist facebook die beliebteste Webseite – obwohl die Nutzung laut der Bedingungen von facebook erst ab 13 überhaupt erlaubt sein sollte.
Das wirft die Frage auf, wie es um die Datensicherheit dieser Kinderprofile steht, offensichtlich hat facebook selbst kein Auge auf das Alter ihrer Nutzer. Haben die Eltern ein Auge darauf, was ihre Kinder von sich preisgeben?

Wer weiterlesen möchte: Hier geht es zur Webseite des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest

Die vollständigen Studien können Sie – selbstverständlich kostenlos – als pdf herunterladen. Dazu bitte auf das Bild der jeweiligen Studie klicken.

KIM-Studie 2012 mit “miniKIM”
JIM-Studie 2012
FIM-Studie 2011

Kostenlose Spiele sind gar nicht kostenlos….

…. zumindest nicht auf längere Sicht.

Die sog. “Freemium” oder “Free-to-play” Games – kostenlose Spiele-Apps für PC (Browsergames), Smartphone und Tablet – erscheinen auf den ersten Blick als tolles Angebot. Ein Spiel das nichts kostet und in Sekunden heruntergeladen und installiert ist? Klasse! So denken erst einmal viele.

Die ersten paar Level machen dann auch richtig Spaß, der Spieler hat Erfolgserlebnisse, neue Herausforderungen tun sich auf, man will weiterkommen. Aber dann: Plötzlich dauern Fortschritte sehr lange, der Spielfortschritt ist zäh, es geht nicht voran. Außer, tja, außer man kauft für teures Geld irgendwelche virtuelle Währung, mit denen sich der Verlauf beschleunigen lässt und der Spielspass wieder herstellen. Und schon ist man den gewieften Spieleherstellern auf den Leim gegangen.

Inzwischen wird mit solchen “kostenlosen” Spielen mehr Umsatz gemacht als mit Angeboten, die von vornherein Geld kosten. Die Spiele für mobile Geräte, hauptsächlich Smartphones aber auch Tablets, sind ein rasant wachsender Markt.
Der genauso rasant zur Abzocke wird wenn man nicht aufpasst.
Also: Passen Sie auf! Auch auf ihre Kinder!


Weiterführende Links:
Spiegel Online
T-Online
Zeit Online

Kann ihr Kind nicht aufhören?

Wenn ihr Kind

  • sich vor dem Computer abkapselt
  • mit Leuten chattet die es noch nie gesehen hat, und darüber seine realen Freunde vernachlässigt
  • regelmäßig stundenlang spielt
  • aus der Spielewelt nur noch sporadisch auftaucht
  • agressiv wird, wenn Sie bitten, doch jetzt den Computer auszumachen
  • mit seinem Smartphone verwachsen zu sein scheint
  • alltägliche Pflichten vernachlässigt

….
dann sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten.

Die Zahl der Internet- und/oder Spielsüchtigen Kinder und Jugendlichen wächst, und mit den mobilen Endgeräten wird es immer einfacher, immer und überall online zu sein.

Ein Informations- und Selbsthilfeportal zur Onlinesucht bzw. Rollenspielsucht von Eltern für Eltern ist diese Seite, auf der Sie viele Informationen und Hilfsangebote gebündelt vorfinden.

Wir wünschen Ihnen, dass Ihre Familie nie betroffen ist.

Sie können nicht so recht nachvollziehen, was ihr Kind an Computerspielen so fasziniert?

Dann müssen Sie unbedingt geschult werden um dieses Verständnis zu entwickeln! (Achtung, Ironie….)

Es gibt tatsächlich eine “Computerspieleschule”, die verständnislosen Eltern beibringen soll, was an Computerspielen so faszinierend ist. Zitat von der Seite der Computerspieleschule Leipzig:

“Bei uns können Eltern die Welt der Spiele und der Spieler erleben und sich selbst fit machen, um die Faszination der Spiele verstehen zu können. Denn gerade Eltern sind gefragt, wenn es darum geht, Regeln zu vereinbaren und die Weichen für den Medienkonsum der Kinder zu stellen. Mit fundiertem Wissen über die Inhalte verschiedener Computerspiele sind Eltern in der Lage, sich mit ihrem Kind darüber auszutauschen (…..)”

Auch für Pädagogen und Multiplikatoren gibt es Angebote – zB. wird Unterstützung angeboten, die vorhandenen Computer spieletauglich zu machen.
Die Kinder selbst sind ebenfalls aufgerufen, dort hin zu gehen um zu spielen (Eintritt frei für diejenigen, die Eltern oder Großeltern mitbringen), und es können dort auch Kindergeburtstage gefeiert werden. Wenn man sich die beiden Bilder auf der Seite anschaut – stellen Sie sich so eine gelungene Geburtstagsfeier von 9 oder 10jährigen vor? Alle sitzen drinnen, jeder vor seinem eigenen Monitor?

Diese Computerspieleschule wird von der Leipziger Universität betrieben und bekommt somit einen quasi wissenschaftlich-seriösen Anstrich, dabei ist es hauptsächlich eine Werbemaßnahme der Spieleindustrie, ein Blick auf die lange Liste der Förderer dieses Projekts ist aufschlußreich. Nintendo, Electronic Arts, tivola, dtp entertainment….. alle Branchengrößen sind vertreten.

Es ist äusserst bedauerlich, dass so unverhohlene Werbung öffentlich gefördert wird (die Stadt Leipzig ist ebenfalls auf der Fördererliste) und seitens der Betreiber eine Seriosität vorgetäuscht wird, die auf den zweiten Blick absolut anzuzweifeln ist.

Auch bei diesem Angebot gilt also dasselbe wie bei allen anderen auch:
Passen Sie auf, sehen Sie genau hin, recherchieren Sie Namen aus dem Impressum, hinterfragen Sie Motive und Motivation! Nicht immer ist es so offensichtlich wie in diesem Fall.

Sieht Ihnen jemand zu, während Sie dies lesen?

Wenn noch nicht jetzt, dann vermutlich in Zukunft.

Alle Welt redet über die Überwachung des Internets und der weltweiten Kommunikation durch amerikanische Geheimdienste, und Meldungen wie diese gehen in der Empörung über “die Amis” elegant unter. Man könnte fast meinen, das wäre Absicht…..
Wobei die Argumente, warum der BND viel Geld braucht um ebenfalls die Kommunikation zu überwachen, irgendwie an die Argumentation von Kindern erinnern warum sie ein bestimmtes Spielzeug/Schuhe einer speziellen Marke/ein neues Handy unbedingt haben müssen: “Aber ALLE haben das, nur ich nicht!”

Wenn also die amerikanischen Geheimdienste die Privatsphäre und jeglichen Datenschutz missachten, muss der BND nachziehen können? Wird eine solche Entwicklung besser bzw. gerechtfertigt, wenn es alle machen?
Sicher nicht.

Mehr zu Google Glass….

…..sowie der Verschmelzung von Realität und digitaler Welt – “Augmented Reality” – kann man z.B. in dieser Spiegel-Kolumne nachlesen.

Es ist für alle anderen Menschen klar ersichtlich, ob ein Mensch, in dessen Nähe man sich aufhält, gerade ein Computer, Tablet oder Smartphone nutzt oder nicht. Und man kann unter Umständen auch erahnen, ob mit dem Gerät gerade etwas fotografiert oder gefilmt wird – wer selbst nicht auf den Aufnahmen sein möchte, hat die Chance, das zu unterbinden oder sich selbst aus dem Bild zu nehmen.

Mit der Google Glass kann der Nutzer, unbemerkt von den Menschen um ihn herum, Fotos oder Videos machen ohne dass die Fotografierten und Gefilmten das auch nur ahnen. Es gibt kaum eine Möglichkeit, selbst zu beeinflussen, ob und welche Bilder von einem gemacht werden – und ob und wo diese veröffentlicht werden. Selbst Menschen die weder Computer noch Digitalkamera haben, könnten sich so eines Tages auf einem Videokanal im Internet finden. Wenn sie sich denn finden.

Diese Entwicklung ist unheimlich, wird aber vermutlich, entgegen aller engagierten Bemühungen, kaum aufzuhalten sein.
Eine Medienbildung im Sinne von Bildung für den verantwortlichen Umgang mit Medien – anstelle von einer Bildung der rein technischen Fähigkeiten – ist dringend nötig.

Virtuelle Kriege?

Im “Hyperland” Blog des ZDF ist im März ein Artikel erschienen, der die zunehmende Annäherung von Computerspielen und “echtem” Krieg bzw. Soldatentrainings thematisiert:
Virtuelle Kriege: Maus statt Manöver

Die Bundeswehr will ihre Soldaten im Einsatz vernetzen und nutzt dafür das Gladius-System – Googles Datenbrille Google Glass hingegen, die ähnliche Funktionen nur für den zivilen Einsatz haben soll, wurde bereits gehackt bevor das erste Gerät überhaupt verkauft ist.
Abgesehen von den offensichtlichen Problemen mit dem Datenschutz zeigt diese Entwicklung, dass die Grenze zwischen Krieg und Spiel immer mehr verschwimmt.
Wenn das Computerspiel aussieht wie Krieg, und der Krieg wie ein Computerspiel, was macht das mit dem Spieler? Und verändert es die Hemmschwelle des Soldaten, der nicht mehr auf eindeutig menschliche Wesen zielt und schießt, sondern auf Pixelpunkte?

Es lohnt sich, darüber nachzudenken.

Deutscher Computerspielpreis 2013

Am 24. April 2013 wurde der Deutsche Computerspielpreis zum fünften Mal vergeben.

Bemerkenswert ist der Sieger der Kategorie “Bestes Kinderspiel”: Eine App, die sich an Klein(st)kinder richtet, bzw. wohl eher an deren Eltern, die ihr Kind beschäftigt sehen möchten, ohne Malpapier, Stifte und/oder ein Vorlesebuch mitnehmen zu müssen.

Entlarvend ist dieser Satz im Blog von Apple:

Mehr noch aber als ein solches Repräsentationsobjekt (gemeint ist der Deutsche Computerspielpreis – Anm. der Autorin) kann die App der Branche in einer anderen Weise nützlich sein: Sie kann helfen Qualitätsstandards für digitale Kindermedien zu entwickeln und damit die Akzeptanz der Spielekultur in Kinderzimmern stärken.

Darum geht es also – um den Nutzen für die Branche. Um die Akzeptanz der “Spielekultur” im Kinderzimmer.

Über die Hintergründe des Computerspielpreises als PR-Maßnahme und warum uns der obige Satz nicht verwundert hat, können Sie im Buch “Bildung und Medien” genaueres nachlesen.